Der Sommerglut wich endlich. Ein ersehnter kühler Lufthauch wiegte sacht die Äste uralter Bäume. Der Duft frisch gemähten Rasens schwebte durch den Park, vermischte sich mit Blütenaromen. Er hüllte die Luft in romantisches Flüstern. Die Sonne berührte kaum den Horizont.
Ein junger Kerl mittlerer Statur, athletisch gebaut, in runden Brillen mit tiefblauen Gläsern, schlenderte gemächlich die Allee entlang. Er hieß Matteo. Gekleidet in blaue, abgetragene Jeans, bis zum Knie hochgekrempelt, klassische braune Badeschlappen, ein orangefarbenes Shirt mit unklarer schwarzer Abstraktion, die verschlungenen keltischen Drachen ähnelte. Sein Gesicht glatt rasiert, der Boxerschnitt passte zur Witterung draußen und zu seinem Image als eigenwilliger Macho.
Unser Held ging Hand in Hand mit einem Mädchen in einem kurzen, schneeweißen Kleid mit tiefem Ausschnitt. Ihre sinnlichen Körperformen zogen unwillkürlich Blicke entgegenkommender Burschen an. Hüften schwangen im Takt zum Klackern prächtiger silberner High Heels, die perfekt auf ihren zarten Beinen saßen.
Schon nah am italienischen Restaurant:
— Giulia, ich hab uns einen Tisch am Fenster reserviert, sprach Matteo ruhig zu seiner Begleiterin.
Giulia sagte nichts, blickte ihm nur zärtlich in die Augen und lächelte liebevoll.
Drinnen half Matteo galant, der Dame den Stuhl zurechtzurücken, setzte sich dann selbst. Der Kellner ließ nicht lange auf sich warten:
— Guten Abend, was darf’s sein?
— Ich nehme Cannelloni, sagte Giulia mit zarter, klingender Stimme, und zum Dessert Erdbeereis.
— Hm… Ich nehm Ravioli mit Käse, und zum Dessert dasselbe wie meine Begleiterin, erklärte Matteo mit Hauch von Wichtigkeit, fügte bedächtig hinzu: Bitte noch eine Flasche Rotwein.
Der Kellner verneigte sich höflich und eilte davon. Der Wein kam im Nu, wurde sorgsam in die Gläser gegossen. Matteo lächelte, hob sein Glas:
— Giulietta, du siehst heute umwerfend aus, lass unseren ersten Toast auf dich gehen!
Die Gläser stießen leise klirrend aneinander.
— Matteo, setzte sie das Glas ab, während sie den Auftrag machen, geh ich mal kurz die Nase pudern.
Lächelnd stand das Mädchen auf, schwebte mit leichter Gangart zur Damentoilette.
Der Moment war da, für den unser Held etliche schlaflose Nächte am Computer verbracht hatte, auf der Jagd nach entscheidender Information. Es war so: An einem öden Abend, in seinem Lieblingssessel lümmelnd, Kanäle zappend, stieß Matteo auf eine Sendung, die ihn fesselte. Sie handelte von Wettessen als Sport. Besonders faszinierte eine junge amerikanische Athletin, die wie ein Hamster, der aus dem Studentenheim auf eine Hochzeitstafel geriet, alles in sich reinstopfte – Brotstücke, Wurst, was auch immer.
Jessica, so hieß sie wohl, schlang Hotdogs mit wilder Geschwindigkeit runter, als hätte sie zwei Wochen gehungert. Sie kaute kaum, schluckte, spülte mit Fruchtsaft nach, um den Schlund für die nächste Wurst im Teig zu befeuchten, die sie schon halb mit ihrem Raubtierblick verschlang. Saft troff über Wangen, Hals, unter das Shirt. Brösel klebten an den Backen, machten das süße Gesicht zu einer Scheußlichkeit! Wenn man das so sagen kann.
Dieses Schauspiel hypnotisierte Matteo. Kein Ekel in ihm, im Gegenteil, tiefe Wonne und Seligkeit durchfluteten ihn.
Etwas beruhigt nach dem Gesehenen und Gefühlten, erkannte unser Held, dass es ihm gefiel, zuzuschauen, wie Mädchen fraßen und dadurch zunahmen. Das schon lange, nur hatte er es in der Alltagshektik übersehen. In diesem Augenblick schlich sich vielleicht die verrückteste Idee seines Lebens ein. Er brannte darauf, solch ein Spektakel zu beobachten, wann immer es ihm passte.
Der beste Weg, dachte er, Hunger zu wecken – ein Pulver ins Getränk mischen, das ungezügelten Appetit auslöste bei dem, der es nahm.
Lange Suchen im Netz brachten wenig, nur medizinische Artikel und Rezepte für neue Importmedikamente. Im Moment der Verzweiflung fand Matteo im Weltnetz eine Telefonnummer und Mail eines Moskauer Apothekers. Kurzerhand schrieb er, bat um Hilfe, sein Haustier sei krank, verweigere Futter, brauche etwas zur Appetitsteigerung.
Nach zwei quälend langen Nächten kam die Mail, darin ein Rezept für das „Medikament“.
Zutaten finden und mischen war easy, fast alles in der normalen Apotheke, ein paar in der Tierapotheke.
Nutzte den Augenblick, zog unser Held ein Fläschchen mit fast weißem Pulver aus der Tasche, öffnete es behutsam. Tat so, als rücke er die Gläser zurecht, und schüttete alles in Giulias Glas.
— Da bin ich wieder, hoffentlich hast du dich ohne mich nicht gelangweilt?, sagte Giulia mit fröhlichem Lächeln, während sie sich auf den von Matteo herangerückten Stuhl setzte.
— Ein Augenblick ohne dich fühlte sich wie Ewigkeit an.
Der Kellner brachte ein Tablett mit Cannelloni und Ravioli mit Käse, stellte es sorgsam vor den Gästen ab:
— Dessert kommt später, sagte er gleichmütig, guten Appetit.
— Der Appetit wird ‚gut‘ sein, grinste Matteo innerlich.
— Matteo, lass uns essen, und beim Dessert quatschen wir?
— Klar, stimmte der Kerl zu, aber erst ein Toast: auf uns, bis zum letzten Tropfen!
Gläser leerten sich blitzschnell, doch der aufmerksame Kellner füllte nach und verschwand so unauffällig, wie er gekommen war.
— Matteo, irgendwie hab ich plötzlich Riesenappetit, lass uns anfangen?, lächelte das Mädchen.
Matteo nickte nur: „Jetzt testen wir das ‚Medikament‘ im Feld, sozusagen“, dachte er bei sich. „Nebenwirkungen? Höchstens Erbrechen, Hauptsache, es wirkt.“
Während der Kerl grübelte, schlang Giulia eine der fünf Cannelloni hinter die Backen, spülte mit Wein nach und machte sich an die nächste, als wär nichts.
„Hat’s gewirkt?!“, staunte Matteo. „Definitiv gewirkt…“
Fleischfüllung mit Pilzen landete allmählich auf Giulias Wangen, Essensreste klebten. Von der feinen Dame blieb nichts. Vor unserem Helden (oder doch finsterem Genie?) saß Jessica in Gestalt seiner Freundin.
Giulia verlor buchstäblich die Beherrschung, getrieben von wildem Sättigungsdrang. Sie glich einer rasenden Löwin, schien, als würde ein falscher Zug von Matteo sie zum Hauptgericht machen.
Wein in ihrem Glas neigte sich dem Ende, und voller Genuss vom Anblick goss der Kerl es randvoll. Bis dahin waren die Cannelloni weg. Giulia griff nach den Ravioli, zu denen ihr Begleiter nicht mal in Gedanken rührte.
Murmelte etwas wie „Ishny, oshn esht hoshtsa“ und fiel darüber her.
Auf Giulias süßem, nun verschmiertem Stirnchen trat Schweiß vor Anstrengung, wurde sofort mit der linken, essensfreien Hand weggewischt. Und schon sah es aus wie der Mundbereich – bunt gefleckt von Gewürzen und Füllung. Kleine Brocken hingen von den Wangen, das Glas leerte sich rasend.
Das schneeweiße Kleid glich einer Tischdecke, in die man alle Hochzeitsgerichte eingewickelt und mit Wein übergossen hatte. Wahrlich tierische Augen jagten über den Tisch nach neuer Nahrung oder wenigstens dem versprochenen Dessert.
Doch statt Dessert heulte eine Sirene, von einem Gast gerufen. Krankenwagen, und im Nu zerrten zwei bullige Sanitäter die liebe, adrette Giulia von der während der „Mahlzeit“ versauten Serviettenhalterin weg, die sie für Essen hielt.
Giulia beruhigte sich erst im Krankenhaus, nach Spülung des gesamten Verdauungstrakts und ein paar Kubik sedativen Mittels intravenös. Danach schlief sie friedlich auf der Liege im Arztzimmer ein.
Matteo saß noch fünf Minuten am Tisch im Restaurant, unsicher: Jubeln oder entsetzen? Eins wusste er sicher – das „Präparat“ hatte gewirkt! Erholte sich vom Geschehen, ging er zur Herrentoilette, wie Damen sagen „Nase pudern“.
In der hellen, blau beleuchteten Kabine am Waschbecken versuchte er Shirt und Jeans von den Resten der Mahlzeit seiner Freundin zu säubern. Stellte sich unser Held die Frage: „Kann man’s so machen, dass ein Mädchen das ‚Präparat‘ täglich nimmt?“, dachte er bei sich. „Und wenn ja, wie?“
Der Morgen war hart, besonders für Giulia. Sie wachte gegen neun vom metallischen Scheppern im Flur auf. Sah sich um. Um sie eine Vierbettkammer, aber leer bis auf sie.
Kleid und Schuhe von gestern weg, stattdessen nur Slip und ein seltsames langes Hemd bis zum Knie.
Neben jedem Bett eine weiße Nachttisch mit Schublade und Tür. Auf dem neben Giulias Bett ein Glas mit klarer Flüssigkeit, Wasser wohl. Daneben auf rosa Serviette zwei große runde Tabletten. Dahinter ein gefalteter Zettel.
Das Mädchen griff sofort danach, hoffte auf Gutes. Doch kaum entfaltet, brach sie in Schluchzen aus, Gesicht in Kissen vergraben. Auf dem Zettel nur drei Worte, die das auslösten: „Verzeih, leb wohl. Matteo“.
Zur selben Zeit saß unser Held Matteo mit Ticket und kleinem Koffer in der Hand, in denselben Brillen mit tiefblauen Gläsern und Schlappen. Aber nun in grellroter Hawaii-Hemd mit Palmen vor Sonnenuntergang und beigen Bermudas im Flughafen.
Wartete auf den Flug nach Türkei, ans Mittelmeer, vor allem – zu den Mädchen. Er hatte das mit Giulia im Restaurant schon vergessen. Mehr beschäftigte ihn das kommende Abenteuer am Strand.
Während des Wartens beobachtete Matteo friedlich die Vorbeigehenden. Manche schleppten Trolleys mit Koffern, andere leicht mit Portemonnaie. Taschen trugen meist die starken Kerle, Damen kümmerten sich um die Blüten des Lebens, wischten Rotz ab, erfüllten jeden Laune.
Apropos Kinder. Da kam unserem Helden die Idee, eine Dame mit Kind um die acht bis zehn zu finden, damit der Knirps heimlich der Mama das Pulver unterjubelt. Doch seine selbstvergessenen Träume unterbrach die Ansage zur Landung nach Türkei.
Ohne Hektik packte Matteo Koffer in eine Hand, Ticket und Papiere in die andere und ging zum Boarding.
Der Flug verlief gut, nur ein Junge um die acht nervte seine Mama ständig. Erst beim Lesen eines Liebesromans, dann mit jedem Quark. Ließ weder der erschöpften Mama Ruhe noch den Passagieren.
Aber Landung, und schon trat unser Held mit dem quengeligen Kind, seiner Mama und ein paar anderen aus dem Flieger in ein Luxushotel am Mittelmeer.
Abend und Nacht ruhig. Morgens, während die Gäste schliefen, besorgte Matteo aus der Gemeinschaftsapotheke Vitaminkapseln. Wozu die da waren, egal. Wichtig die Hülle, die in jeder Flüssigkeit auflöste, egal welcher Art.
Inhalt in den Müll gekippt, zerlegte unser „Doktor“ den Inhalt des Fläschchens mit „Zauber“-Pulver in fünfzehn gleiche Teile, füllte die Kapseln. Kleinere Dosis sollte Appetit nur leicht steigern, genug, ohne tierischen Hunger.
Gegen Mittag tappte Matteo barfuß zum Strand, in orangen Badeshorts mit schwarzem Rand und denselben Brillen. Auf der Suche nach der Mama des Quengeljungen.
Das Kind buddelte im Sand am Ufer, also Mama in der Nähe. Tatsächlich. Sie lag auf Liege im Schatten einer kleinen Palme, nippte tropischen Cocktail.
Wartete, bis ihrs fast leer, nahm Matteo zwei gleiche am Strandbar und steuerte auf die Dame zu:
— Guten Tag, lächelte der Kerl, darf ich mich dazusetzen?
— Guten, lächelte die Blondine zurück, setz dich, und gleich zum Du?
— Ich heiß Matteo, und du?, setzte er sich auf die Nachbarliege, reichte den Cocktail der charmanten Blondine.
— Ich bin Sofia, freut mich, nahm das Mädchen die breite Brille in Schildpattfassung ab, enthüllte tiefe, himmelblaue Augen, strich Locken zurecht, die kaum die nackten Brüste dritter Größe bedeckten. Du bist gar nicht übel, sagte sie lächelnd, nahm das Glas mit frischem Cocktail.
— Sofia, schöner Name, fuhr Matteo fort, treffen wir uns heute Abend?
— Ich würd gern, nur mein Sohn quengelt dann, und ich will dir keine Umstände machen.
— Ach Quatsch, winkte Matteo ab, denk, wir kommen klar.
— Wär super, dann heute Abend im Bankettsaal, bis dann.
Sofia nippte klein am Glas, stellte es in den Sand, stand selbstsicher von der Liege auf und ging mit schwingendem, festem Po zum Wasser.
„Ach, was für eine Figur“, dachte Matteo bei sich. „Wenn Engel existieren, sehen sie so aus! Alles an ihr perfekt!“
Tatsächlich, solche wie Sofia gab’s in der ganzen Türkei nur zwei: sie und ihr Spiegelbild. Lange strohblonde Haare, blaue Augen, zierliches Näschen mit leichter Erhebung, weiche Lippen. Brüste fast ideal geformt, schmale Taille, hinreißender Hintern und prächtige Beine – kein Kerl ließ sie vorbei ohne lüsternen Blick, aber ansprechen traute sich keiner, keiner außer Matteo.
Abends zog Matteo spitze schwarze Lederschuhe an, strenge schwarze Hosen und schneeweißes tailliertes Hemd über der Hose, ohne seine Lieblingsbrille. Kam früh in den Saal, um sich umzuschauen. Leute trudelten ein, aber sie nicht.
„Kommt sie nicht?!“ schoss durch seinen Kopf als Verführer. Doch plötzlich schoss ihr Sohn aus dem Gang wie der Teufel aus der Dose, in hellem Hemdchen und Shorts, tat so als Flugzeug.
Hinter ihm, mit langsamer, majestätischer Gangart in blauem Abendkleid, trat sie ein, die Königin des Abends. Haare kunstvoll zu komplizierter Frisur gelegt, wie Abiturientinnen zum Abschlussball. Am Hals an dünner Goldkette ein Anhänger mit zwei Fischen – ihr Sternzeichen.
— Hallo, nicht gelangweilt?, fragte sie, kaum nah bei Matteo, der mit zwei Gläsern halbtrockenem Rotwein wartete.
— Du bist atemberaubend, sagte Matteo, ich hab dich vermisst seit dem Moment, als…
— Schsch, kein Wort.
Sofia brachte herrisch den Zeigefinger der Linken an Matteos trockene Lippen, nahm mit der anderen das Glas Wein, genau das, in dem die Kapsel mit „Glückspulver“ schon aufgelöst war.
— Trinken wir auf unser Treffen.
Matteo gehorchte, nippte am Glas, Sofia etwas mehr. Kaum eine Minute, da zupfte Luca (Sofias Sohn) an ihr.
— Mama, Mama, zerrte er am Kleid, fast schreiend, komm, hier ist’s langweilig!
— Geduld, misch dich nicht in Erwachsenengespräche, sagte Sofia streng, gleich gehen wir.
Der Junge blies rosige Wangen auf, zog Brauen zusammen, plumpste auf den nächsten freien Stuhl. Schob Unterlippe vor, verschränkte Arme wie ein Türsteher im Nobelclub, warf Matteo einen schweren Blick zu.
Die Wirkung des Pulvers ließ nicht lange auf sich warten. Sofia nahm einen Teller, streifte am Buffet entlang, lud ein bisschen von allem auf. Matteo folgte.
Im Nu standen sie zu zweit auf dem Balkon im zweiten Stock des Hotels. Luca beobachtete sie aus der Ferne.
Matteo plauderte von Hobbys, wie er letztes Jahr den ganzen Sommer mit Kumpels auf der Datscha abhängen, Boot fahren und Abenteuer erleben. Beobachtete nebenbei, wie Sofia den Teller leerte und seinen Geschichten lauschte, als wär sie ein großes Ohr.
Sie lenkte ein Geräusch ab, zerbrechendes Glas – Luca randalierte. Warf sie die Tasche auf den nahen Tisch, rannte, den Sohn zu beruhigen. Matteo blieb allein auf dem Balkon.
Er sah in Sofias Tasche eine Dose Vitamine, genau wie die, die er morgens besorgt hatte. Unglaubliches Glück! Kein Bedarf, sich beim unfolgsamen Sohn der „Opfer“ einzuschmeicheln.
Zeit knapp, jede Verzögerung – Fiasko. Matteo zögerte nicht, fischte geschickt die Dose aus der Tasche, schüttelte, halb voll Tabletten. Rasch tauschte unser Held die Dosen, warf die aus der Tasche vom Balkon in den nächsten Busch.
— Sorry, kam Sofia zurück, hielt ihren Sohn an der Hand, setzen wir morgen fort?
Matteo nickte ergeben, und sie ging. Wie sein Herz pochte! Erstmals im Leben fühlte er sich als Schuft und Betrüger, aber schuldig? Nein. Eher Beobachter.
Nacht verstrich. Tag übergab gehorsam an Abend, der nahtlos in Nacht floss.
Matteo wartete seine Freundin auf demselben Balkon, wo sie sich getrennt hatten, aber sie kam nicht. Der Kerl lief herum, fand Sofia nicht. Innerlich unruhig, äußerlich gelassen, ging er ins Zimmer.
Weder nächsten Tag noch übernächsten traf er Sofia oder Luca irgendwo.
Erst nach einer Woche, durch den Flur gehend, hörte er einen Monolog:
— Mama, Liebling, wein nicht, bitte, alles wird gut, du wirst wieder schlank…, schluchzte Luca, Matteo erkannte die Stimme sofort. Mama, ich hör immer auf dich…
Matteo lugte durch den Spalt der angelehnten Tür und sah: Mit dem Rücken zur Tür saß Sofia, Matteo erkannte sie an den Haaren, neben ihr Luca, Arm um ihre Schulter.
Das Mädchen war nicht mehr so schlank wie zuvor. Taille unter Fettschicht verborgen, vom straffen, sexy Po nur Erinnerung. Haare zerzaust, glatte Strähnen zu Vogelnest geworden.
Sofia saß so, dass ihr Spiegelbild im Nachttischspiegel gut sichtbar. Matteo musterte sie genau. Gesicht verändert, nicht mehr anziehend, Wangen aufgedunsen wie bei Hamster nach Fressen, kleiner, aber deutlicher Doppelkinn.
Matteo wollte fast klopfen, eintreten, sich entschuldigen, aber wozu? Wie erklären? Etwas hielt ihn zurück, er begriff, er hatte einen grauenhaften, monströsen Fehler begangen!
Doch Gewissen quälte ihn nicht. Nach kurzem Zögern ging Matteo davon, in dem, was er trug: braune Schlappen, Bermudas, Hawaii-Hemd und Brille mit runden, tiefblauen Gläsern.

