Anna war unglücklich. So unglücklich, wie eine Frau nur sein kann, die einen Ehemann hat, den ihre Freundinnen als reines Gold bezeichnen, eine Wohnung, die kürzlich zur Hochzeit geschenkt wurde, und alles, wovon eine Frau träumen könnte, die mit dreiundzwanzig endlich unter der Haube ist.
Alles kam in der ersten Hochzeitsnacht ans Licht, als sie unter eine Decke schlüpften. Der Bräutigam fummelte da lange herum, dann spürte sie einen scharfen Schmerz. Es schien gut anzufangen, aber plötzlich fühlte sie, wie er erschlaffte, er murmelte etwas Unverständliches, drehte sich zur Wand und wurde still.
Sie versuchte, ihn zu streicheln, um das Liebesspiel wieder aufzunehmen, schließlich könnte sie ihm ja helfen. Aber er zuckte böse mit der Schulter, wickelte sich fester in die Decke und begann bald zu schnarchen.
Am Morgen wachte Anna auf, als ihr Mann zur Arbeit ging und die Tür laut zuschlug. In der Wohnung breitete sich eine angenehme, entspannende Stille aus. Sie stand auf, nahm ein Bad mit duftendem Schaum, trank Kaffee, zog einen kurzen Sommerrock an, einen eng anliegenden weißen Pullover, der ihr so gut stand, und ging spazieren zu den nahen Teichen beim alten Kloster.
Ja. Sie war wirklich unglücklich. Am Teich angekommen, starrte Anna gedankenversunken auf das dunkelgrüne Wasser, über das der Wind welke Weidenblätter trieb. Für einen Moment drehte sich alles in ihrem Kopf. Sie verlor die Orientierung, taumelte, war schon bereit zu fallen, doch das Gleichgewicht kehrte zurück durch das umgedrehte Spiegelbild einer riesigen weißen Vogelgestalt im Wasser, die vorbeischwamm.
Anna hob den Blick. Es war ein Schwan von außergewöhnlicher Schönheit. Sie bestaunte dieses Wunder der Natur. Plötzlich kam ihr ein dummer Gedanke: Sie hatte noch nie gesehen, wie Schwäne sich liebten. Haben die Probleme wie Menschen? Und wenn nicht, warum? Wie fühlt sich die Liebe eines Schwans an?
Der Schwan blickte sie mit schwarzem Auge an und, enttäuscht, dass sie ihm nichts zuwarf, drehte er sich würdevoll mit dem Schwanz zu ihr und schwamm davon, kräftig mit den roten Füßen unter Wasser paddelnd. Anna gab sich das Wort, dass sie morgen unbedingt kommen würde, um diesen Angeber zu füttern.
In der nächsten Nacht wiederholte sich alles. Nachdem ihr Mann sich von ihr abwandte, fühlte sie, wie sie in einen schwarzen Abgrund der Verzweiflung stürzte. Vor dem Wahnsinn retteten sie reichliche Tränen und Schluchzer, in denen sie einschlief.
Nachts weckte sie ein leichtes Zittern des ganzen Bettes. Sie drehte sich zu ihrem Mann und sah, wie er schweißbedeckt und zuckend in ihrer Gegenwart etwas Unnatürliches tat. Der Ausdruck der Seligkeit auf seinem Gesicht wich sofort Ekel und Hass, als er merkte, dass seine Frau ihn aufmerksam beobachtete.
Er gab ihr eine dumpfe Ohrfeige, fast einen Schlag, zog die Decke bis über den Scheitel und schnarchte demonstrativ. Betäubt und zerquetscht lag sie eine Weile da, fast erstickend. Sie brauchte unbedingt frische Luft, sonst würde sie sterben.
Anna glitt aus dem Bett, zog Pullover und Rock an, vergaß sogar die Unterhose, und rannte hinaus auf die Straße. Die Teiche waren von Nebel bedeckt, wie mit Watte. Vom Wasser stieg ein angenehmer Geruch nach frischem Fisch und faulendem Laub auf.
Im Nebel waren kaum die Vogelhäuschen zu erkennen und dunkle, kaum bewegliche Massen schlafender Schwäne mit Köpfen unter den Flügeln. Anna setzte sich ins Gras gegenüber den Häuschen, drückte die Nase in die Knie und weinte. Plötzlich hörte sie ein leises Plätschern.
Aus dem Nebel tauchte wie ein zauberhaftes Schiff ein gigantischer weißer Schwan auf. Mit starkem Flügelschlag sprang er graziös aus dem Wasser ans Ufer direkt zu Annas Füßen, spritzte sie leicht nass. Vor Überraschung kniff sie die Augen zu und bedeckte das Gesicht mit den Händen.
Und da spürte sie, wie etwas Weiches und Warmes ihre Beine hinaufglitt. Sie nahm die Hände vom Gesicht. Der große, warme Schwanenkopf, nutzend die Biegsamkeit des Halses, umschlang zärtlich ihre Beine. Anna streckte die Hand aus und berührte den heißen Schwanenhals.
Der Schwan, die Gegenliebe spürend, rückte mit seinem großen Körper näher. Gehorsam der Erregung, die sie ergriff, spreizte sie ihre schlanken Beine ihm entgegen. Kopf und Hals des Schwans liebkosten nun ihren Hals, ihre Brust, ihr Gesicht.
Anna warf den Kopf zurück und lachte über die kitzelnden Federn. Die starke, aber weiche Schwanenbrust drückte auf ihren Unterleib, weckte ein scharfes, unwiderstehliches Verlangen. Sie verstand nicht mehr, was mit ihr geschah.
Mit den Händen half sie nach, verband sich mit dem flügelschlagenden Schwan und begann, im Takt seiner Schläge ihren Unterleib zu wiegen. Bei jeder Bewegung drang etwas Hartes wie ein Schnabel, brennend heiß, tiefer und tiefer in ihr Fleisch ein.
Für einen Moment schien es ihr, als bebte die Erde unter ihr und raste irgendwo hinab. Sie sah vor ihren Augen einen grellen Blitz und wand sich in endlosen, fast tötenden Zuckungen. Es kam ihr vor, als hoben die weißen Flügel über ihr sie auf und trügen sie in unendliche Seligkeit.
Als sie zu sich kam, war ihr ungewöhnlich warm und gemütlich. Die ganze Zeit hatte der Schwan sie mit seinen Flügeln zugedeckt. Dann hob er den Kopf, machte ungeschickt auf seinen Füßen zwei Schritte zurück, schlug kräftig mit den Flügeln und war im Nu auf dem Wasser, einige Meter vom Ufer entfernt, und brachte fast die ganze Oberfläche des Teichs in Aufruhr.
Am Morgen wachte Anna auf mit einem Gefühl überwältigender Seligkeit. Im Haus war niemand mehr, und sie begann, sich an das zu erinnern, was ihr im Traum widerfahren war. Etwas kitzelte angenehm ihre Handfläche, sie blickte hinab, und eine kalte Welle des Schreckens durchflutete ihren Körper.
Das war kein Traum! In der Hand hielt sie eine weiße Feder mit schillerndem Glanz. Ihr Leib bebte von wahnsinnigen Erinnerungen und versank in umhüllendem Raum der Erregung. Sie nahm die Feder in die Finger, kitzelte sich am Hals, fuhr über die Unterseite der Brüste, über die Brustwarzen.
Die federnde Zartheit glitt hinab über den Bauch, kitzelte die Innenseiten der Schenkel, und dann schmiegte sie sich an die heiße, offene, göttliche Stelle. Annas wunderschöner kleiner Körper bog sich in Krämpfen, sie schrie erstickt auf und verlor das Bewusstsein.
Die Straße empfing sie mit stillem, goldenem Wetter eines nahenden Sommerendes. Mit der Feder spielend, ging sie in fröhlicher Erregung zu den Teichen beim alten Kloster. Fast jeder Mann, von ganz jungen Burschen bis zu greisen Rentnern, drehte sich nach ihr um, folgte ihr mit gierig-neugierigen Blicken.
—Die spüren es, die Hunde!, notierte sie zufrieden für sich.
Durch den Park um die Teiche gehend, sah Anna einen jungen Mann auf einer Bank sitzen. Er blickte ihr fest in die Augen. Es war ein fesselnder Blick eines Menschen, mit dem es sofort und für immer gut ist.
Sie ging vorbei, duftend wie das Bild einer jungen, ungewöhnlich anziehenden Frau. Hätte sie diesen Blick doch nur einen Monat vor ihrer Heirat getroffen! Wo hatte sein Besitzer sich herumgetrieben, als sie noch frei war? Jetzt hatte sie einen Ehemann und einen hinreißenden Liebhaber, und nun brauchte sie niemanden mehr.
Ihr Schwan schwamm in der Ferne unter anderen Vögeln, schenkte ihr keinerlei Beachtung. Sie holte aus der Tasche ein Päckchen mit Maisstangen und warf sie ins Wasser. Die Vögel strömten fächerförmig zu ihr.
Der Schwan drehte nicht mal den Hals, blieb in stolzer Einsamkeit mitten im Teich, umgeben nur von goldenen Kuppeln der Kirchen, die sich im Wasserspiegel widerspiegelten.
—Schöner Vogel, hörte Anna plötzlich eine weiche Stimme mit tiefen Vibrationen hinter sich.
Sie drehte sich um. Es war er.
—Und erinnert irgendwie an einen Menschen. Nicht wahr?
Sie antwortete nicht.
—Darf ich mal sehen?, sprach er wieder und streckte die Hand nach der Feder aus.
Sie zog die Hand zurück, spürte fast körperlichen Schmerz von seiner Berührung. Er hob die gefallene Feder auf und reichte sie ihr. Aus irgendeinem Grund wurde ihr unerträglich schamvoll zumute.
—Danke, sagte sie und wandte sich ab, um die mit Tränen anschwellenden Augen zu verbergen.
Als Antwort hörte sie ein einziges Wort:
—Entschuldigen Sie.
Der bis dahin ruhig schwimmende Schwan schlug plötzlich laut und unzufrieden mit den Flügeln. Doch eine Minute später beruhigte er sich und kam freundlich zu ihr, in Erwartung, aus ihrer Hand das vorbereitete Leckerli zu bekommen.
Plötzlich überkam Anna der Wunsch, dem Fremden alles zu erzählen – über ihren Mann, über den Schwan und dass sie auch glücklich sein wollte. Sie drehte sich um, aber hinter ihr war niemand mehr. Offenbar gehörte er zu jenen Leuten, die aus dem Nichts auftauchen und ins Nichts verschwinden.
In der nächsten Nacht wartete sie kaum ab, bis ihr Onanist sich mit seiner Faust vergnügt hatte und zur Ruhe kam. Als es ihr schien, er schliefe, schlüpfte sie lautlos unter der Decke hervor und eilte zu ihrem wunderbaren Geliebten. Doch diesmal blieb ihr Verschwinden nicht unbemerkt.
In dieser Nacht hatte die seltsame Liebe zwischen Schwan und Anna zwei Zeugen – die böse glühenden Augen ihres Gatten.
Gegen Morgen träumte Anna, sie schwämme splitternackt in einem Becken. Plötzlich umringten sie drei lachende Männer. Grinsend packten sie sie an Ellbogen und Brust. In Panik floh sie.
Aber alle Gänge des Gebäudes führten sie seltsam immer wieder zum Becken zurück. Endlich ergriff sie der Dickste, warf sie auf den Rücken und drückte mit seinem riesigen Bauch, dessen Nabel eine gespannte Öffnung hatte, auf ihre Schenkel.
Sie begriff, dass sie vergewaltigt wurde, und versuchte zu schreien, doch der Bauch des Mannes verwandelte sich in dichte Wassermasse des Beckens, die auf ihre Brust drückte und ihr Gesicht überschwemmte. Anna spürte, wenn sie jetzt nicht aufwachte, könnte sie es nie mehr tun.
Sie versuchte, wenigstens ein Bild der Wachwelt heraufzubeschwören, um sich daran festzuhalten, aber nichts erschien. Der Atem verschwand. Das Herz schlug ein letztes Mal gegen die Brust und hielt inne.
Alles, was ihr blieb, war der Wille. Mit letzter Kraft knurrte sie fast:
—Bild!
Und plötzlich sah sie es. Es waren der Schwan und die alles verstehenden, unendlich nahen Augen, verschmolzen zu einem Ganzen.
Die Schwere wich augenblicklich, Anna hörte wieder ihren Herzschlag und öffnete gleichzeitig die Augen. Schwer atmend, schweißbedeckt lag sie in ihrem Bett. Die Decke war zerknüllt und lastete drückend auf ihrer Brust und ihrem Gesicht.
Ihr Mann war nicht im Bett. In seltsamer Vorahnung von Unheil zog sie sich hastig an, brachte sich in Ordnung und rannte zum alten Kloster.
Bei den Teichen angekommen, sah Anna ein ungewöhnliches Bild. Das dunkle Wasser war mit weißem Flaum bedeckt, wie mit Schnee. Die Vögel, von etwas erschreckt, drängten sich bei den Häuschen zusammen und schauten unruhig umher.
Auf dem hölzernen Steg stand über einem Haufen von etwas Weißem eine kleine Menge Leute. Zähneklappernd vor Angst drängte sie sich in die Mitte des Kreises.
Auf den feuchten Brettern lagen die erstarrten Überreste ihres Schwans mit unnatürlich verdrehten Flügeln und Hals. Durch das wachsende Chaos in ihrem Kopf hörte sie die dumpfen Worte der umstehenden Leute:
—Man sagt, er starb in furchtbaren Qualen. Eine halbe Stunde hat der Arme gezuckt, versuchte zu fliegen, bis er starb.
—Schweine! Der Tierarzt meinte, so sterben sie nur, wenn man einen Schwan mit Brotkrümeln füttert, in denen Nadeln stecken.
Begleitet von staunenden Blicken der Umstehenden, wich Anna wahnsinnig zurück, stolperte am Rand des Stegs und versank im Nu tief unter der schwarzen Wassermasse. Der Traum wiederholte sich in der Wirklichkeit.
Kühle, schlammige Flüssigkeit floss in ihre Augen und ihren Mund. Nun hatte sie keine Kraft mehr, dem Versinken des Bewusstseins in die Dunkelheit zu widerstehen.
Dann hörte sie ihren Namen.
—Anna, Anna, Anna!, rief beharrlich eine fürchterlich heisere Stimme vom Himmel.
Sie öffnete die Augen. Niemand sprach ihren Namen, nur Krähen krächzten laut in den Bäumen. Über ihr hing eine nasse Strähne, dann sah sie die Augen. Sie erkannte sie sofort. Sie lächelten ihr zu.
—Warum küsst er mich?, dachte Anna.
Nach jedem Kuss fühlte sie, wie ihre Brust sich mit Leichtigkeit und Seligkeit füllte. Vom Überfluss an Sauerstoff drehte sich der Kopf angenehm.
—Was für sinnliche, zärtliche Lippen er hat. Und die Hände handeln so weich und sicher, als führte er mich im Tanz.
—Genug, genug! Sie atmet schon selbst, riefen Köpfe oben.
Plötzlich wurde ihr klar, dass ihre Brust völlig entblößt war und alle die spitzen Brustwarzen sahen, deren purpurne Helligkeit sie so schämte. Aber jetzt schämte sie sich nicht vor ihm.
Anna wusste, dass sie nun glücklich sein würde, und sie bat leise:
—Wenn möglich, bitte machen Sie weiter, mir geht’s noch schlecht.


