Der Kompaniechef Vincenzo, ein etwas fülliger, kahlköpfiger Hauptmann, liebte es, allerlei Anekdoten aus dem Leben seiner Untergebenen zu erzählen. Und das, muss man zugeben, auf eine ziemlich unterhaltsame Weise.
Die neu angekommenen jungen Soldaten wurden in den Ehrenraum geführt. Der Hauptmann verbrachte fünf Minuten damit, sie mit der Kampfgeschichte der Einheit vertraut zu machen. Dann ging er nahtlos zu dem brisantesten Thema über – dem Sexualleben der Krieger. Besonders amüsant waren zwei Geschichten.
Die erste handelte von einer Ziege, die acht Soldaten gefangen hatten, bis zur Besinnungslosigkeit vergewaltigt und dem Besitzer untergeschoben. Der Arme lief ein ganzes Jahr zu den Vorgesetzten, verlor jede Hoffnung und jagte das unglückliche Tier schließlich auf die Straße. Die zweite Geschichte – über andere Tiere – muss man ausführlicher nacherzählen, sie ist es wert.
—In unserem Nebenbetrieb, erzählte Vincenzo mit Genuss, hatte der Gefreite Rocco die Ferkel im Auge.
—Ein gewissenhafter, bescheidener Kerl, der das Ganze gut im Griff hatte, und es wurde zur Vorzeigeeinrichtung in der Truppe.
—Sogar hohe Tiere kamen vorbei, um sich das anzuschauen und Erfahrungen auszutauschen.
—Eines Tages kamen ein Oberst und ein Major zur Inspektion, und nach allem wollten sie die Ferkel sehen.
—Ich führte sie hin, voller Stolz.
—Beim Schuppen hörten wir verdächtigen Lärm, Gepolter und ein irres Quieken.
—Wir eilten hin und rissen die Tür auf.
—Und was denkt ihr, was wir da sahen?
—Unser makelloser Rocco stockbesoffen, halb nackt, ohne Hose, mit so einem Prügel, jagt einer kreischenden Sau hinterher, mit der klaren Absicht, sie zu besteigen.
—Während wir noch kapierten, trieb der Bursche sie geschickt in eine Ecke und legte sich auf sie drauf.
—Stoppte ihn der dröhnende Befehl des Obersts: ‚Aufhören mit dem Vergewaltigen!‘
—Rocco war schlagartig nüchtern und stand stramm…
Rocco saß fünf Tage fürs Saufen ein, und mir ging’s dreckig, besonders in der Kantine. Ich war da öfter geschäftlich und aß mit. Die Offiziere weigerten sich kategorisch, beim Borscht zuzugreifen, und forderten vom Koch Beweise, dass die Speckstücke im Suppentopf nicht von der Sau kamen, die meine Untergebenen gevögelt hatten. Und die Inspektoren in meiner Abteilung fragten ironisch: „Na, Hauptmann, zeigst du uns heute Sex?“
…
Und so wählte die Frau des Hauptmanns den Badetag aus. Vormittags schrubbten sie Böden, wechselten Bettzeug und holten beim Fähnrich die abgetragenen Unterhosen ab. Nachmittags marschierten sie zu Fuß zur städtischen Badeanstalt. Ein einstöckiges, backsteinernes, uraltes Ding mit zwei Abteilungen.
Der Hauptmann mit Frau und Tochter wurde mit dem Geländewagen hingebracht. Der geniale Trick im Bad war, dass man nach dem Dampfraum in den Vorraum gehen konnte: Frische Luft schnappen und abkühlen. In demselben Vorraum gab’s eine Tür zum Gemeinschaftsraum der Frauenabteilung. Die war immer verschlossen, aber interessant, sie war aus Holz, also war’s ein Klacks, ein Loch reinzubohren.
Nach zehn Minuten Waschen aus den Schüsseln hasteten die Soldaten, ohne Dampfraum, zur besagten Tür und stellten sich beim Loch in die Schlange. Jeder, der die weiblichen Reize begaffte, bekam fünf Minuten, aber es gab Temperamentvolle, die man mit Gewalt vom Anblick losreißen musste.
An diesem verfluchten Tag klebte Paolo an der Tür, ein schwerer, unbeholfener Brocken. Auf Bitten und Drohungen reagierte er gar nicht, fünf kräftige Soldaten mussten sich auf ihn werfen, es wurde ein Knäuel. Und weil die Tür alt war, quietschte sie kurz und fiel aus dem Rahmen, plumpste in die Frauenabteilung. Aus Schwung purzelte die Soldatentruppe mitten in den Haufen nackter Leiber.
Tumult. Unbeschreibliches Kreischen. Alles, was in den Schüsseln war, goss sich über die Köpfe der Soldaten, und die Armen versuchten, den Schlägen der Waschlappen auszuweichen.
Der Schreck der Frauen legte sich in einer Minute, bei manchen glänzten die Augen beim Anblick der Soldatenlanzen, und statt die Kerle zu verprügeln, drehten sie um, wechselten Zorn in Gnade. Eine Schamlose um die Vierzig, aber mit erhaltener Figur, packte Paolo am besten Stück, zog ihn zu sich, legte sich auf die Bank, spreizte die Beine, bot ihm die ganze Pracht dar. Es fanden sich andere Ausgehungertinnen, die dem Beispiel folgten.
Die Soldaten wehrten sich meist nicht, und das Bad verwandelte sich im Nu in einen Puff, wo Ärsche, Brüste blitzten, Stöhnen, Schmatzen ertönte. Eine kleine Panne passierte mit Matteo. Der große, gutaussehende Feldwebel gefiel allen Frauen im Stützpunkt, aber exklusives Recht auf ihn hatten Vincenzos Frau und ihre Tochter, um die Zwanzig, genauso üppig wie die Mama.
Zuerst näherte sich Ilaria schüchtern Matteo, umarmte ihn, und als er küsste, sprang das Mädchen auf seine Hüften, seufzte auf und bewegte ihren prächtigen Hintern energisch. Woher sollte Ilaria wissen, dass sie nicht die einzige Geliebte des Feldwebels war und sein mächtiger Schwanz auch Mamas Nest bediente.
Diese Furie – wie soll man die Frau sonst nennen nach dem, was folgte – trat an die Liebenden heran, packte ihre eigene Tochter an den Haaren und zerrte sie vom Feldwebel runter. Gut, dass der sein Ding noch erledigt hatte. Vincenzos Frau begann in Wut, dem verdutzten Matteo ins Gesicht zu schlagen, und die Tochter, die kapiert hatte, warum Mama sauer war, drosch mit dem Waschlappen auf ihn ein.
Inzwischen hatten sich die Frauen etwas abgekühlt, kamen zu sich und nahmen die Hinrichtung der Soldaten wieder auf. Die wehrten sich nicht, verließen schnell das Schlachtfeld.
Dem Hauptmann, dem man aus irgendeinem Grund später als nötig von dem Skandal erzählte, eilte er herbei, um seine Untergebenen auf frischer Tat zu ertappen, aber wer wen und in welcher Pose, das erfuhr er nie. Alle wuschen sich friedlich oder dampften, und die Tür war wieder im Rahmen. Allerdings bekam Vincenzo von der Badeleiterin eine Abreibung.
Nach dem Bad, schon in der Kaserne, rief er die Soldaten in sein Büro, erfuhr aber nichts. Bei der Abendappell entzog er der ganzen Kompanie für einen Monat den Ausgang. Danach lud er den Fähnrich zu sich ein, drückte ihn an die Wand und fragte drohend:
—Na los, du Hurensohn, gesteh, wohin hast du das Abtörnpulver getan, in die Schüsseln der Soldaten oder alles in meinen Teller?
Am nächsten Tag ließ Vincenzo eine Schweißanlage in die Badeanstalt bringen und ersetzte die Tür durch eine eiserne. Für diesen Vorfall wurde der Hauptmann in einen anderen Stützpunkt versetzt. Man kann annehmen, dass er in der neuen Einheit zu den alten Geschichten eine neue hinzufügte – die vom Bad.


