… Schon halb acht, und da steht der Computer und die Arbeit, aber daneben so ein Arsch. Schon halb neun, und da wartet Ruhm und Erfolg, aber daneben so ein Arsch. Und schon halb zehn, und da ein Haufen Geld und Autos, und hier nur ein Arsch.
Gleich klettere ich nur über diesen Arsch rüber. Gleich, gleich. Irgendwie klappt das noch nicht. Und nicht weil er so hoch ist, sondern weil das eine Sache der Zeit ist.
Obwohl schon halb elf, und da andere Ärsche, und Bier mag auch nicht warten, aber Arsch, sag ich dir, so ein…
Habt ihr mal über einen Arsch drübergeklettert? Das ist, sag ich euch, nicht mal Everest mit Mont Blanc. Er ist absolut uneinnehmbar.
Ich hab oft über die Quelle seiner Macht nachgedacht. Ich hab zugeschaut, wie sie da sitzt, ein Bein über das andere geschlagen.
Ich hatte Angst, nochmal in ihre Richtung zu blicken, so eine Erregung und Verwirrung der Gefühle weckt dieser dunkle Dreieck, den der Rock mit den gekreuzten Beinen bildet.
Das ist der Eingang zu ihrem Geheimnis, das von niemandem je enträtselt werden wird. Man kann den Rock runterreißen und, die Beine auseinander, in den magischen Dreieck eintreten, aber das Geheimnis entweicht sofort, weicht tierischem Wahnsinn.
Blitz! Und du bleibst zum x-ten Mal als erschöpfter Trottel zurück.
Ich hab versprochen, diesen Arsch bis ins Grab zu lieben. Ich hab diesem Arsch versprochen, einen Stern vom Himmel zu holen.
Ich dachte, er würde die Wachsamkeit verlieren, eingelullt von süßen Reden, und sein Geheimnis preisgeben. Ich hab fast schon die Spitze seines Schwanzes ergriffen auf dem Gipfel der göttlichen Zuckung, aber das war nur der Höhepunkt eines Flugs über dem Abgrund der Nichtigkeit und Verödung.
— Na, Ärschchen.
— Na, Arschilein.
— Na, Arschipups… Lass mich los, verfluchter Hintern!
Schweigt.
— Arsch, du weißt doch, dass ich dich liebe! Ich komm auf jeden Fall zurück.
Schweigt. Ihm ist meine Liebe scheißegal. Er weiß, dass Liebe kommt und geht, aber Arsch will man immer.
Am Ende, Arsch, ich will essen, ich will trinken. Na ja, was ist an dir so Besonderes, dass ich über vieles locker rübergeklettert bin, aber über dich – nu, gar nicht?
Neben dir bin ich alt geworden. Schau mich an! Wozu brauchst du mich? Verfetteter, kahler Freak.
Zuerst ist mein rechtes Bein kahl geworden, dann der Rücken, und danach alles andere.
Und dieser Bauch, den du bis zum Wahnsinn verehrst! Was findest du an ihm? Wahrscheinlich erinnert er dich an unsere noch ungeborenen Kinder.
Bald kommt für mich die Zeit zu sterben. Und du bleibst immer jung. Dein Gesicht, deine Brust – alles kann altern.
Was ist trauriger als der Anblick einer Brust alter Frau? Du, Arsch, bleibst immer frisch und straff.
Alles andere kann mein „perverses“, wie du sagst, Bewusstsein dir anhängen. Letzte Zeit hänge ich dir gerne den Körper einer mittelalterlichen Magd an.
Und ich bin ein wandernder Abenteurer, der in einer Herberge abgestiegen ist. Ich hab dich in mein Bett gezerrt, als du mir Wein ins Zimmer gebracht hast.
Ich sag dir das nie, aber ab und zu finde ich in dir all meine früheren Geliebten, mit denen es mir genauso gut ging.
Ich sehe in dir sogar den nie erkundeten Körper jenes zarten Mädchens – einer Teenagerin, in die ich jahrelang verliebt war.
Ich hab mich nie getraut, sie zu berühren, aus Angst, mit unpassendem Werben Ekel in ihr zu wecken.
Tief in der Seele lebt bis heute der Schmerz von ihrem „Verrat“ an meinem Gefühl mit einem Typen, der total fremd für unsere Clique war, der sie rein zufällig als Erster „geöffnet“ hat.
Und jetzt dringe ich in das Fleisch jenes Mädchens ein. Und was? Nichts! Vielleicht hab ich umsonst so gelitten, wenn das Gefühl von ihrem Arsch sich nicht viel von dem mit jedem anderen unterscheidet.
Und ich brauch jetzt auch niemanden mehr. Mit einem Arsch besitze ich ein Meer von Ärschen! Einen Ozean von Ärschen!
Ich schwimme in Ärschen, bade, plansche und lasse Blasen. Dann ertrinke ich und ertrinke, tauche tiefer und tiefer in den bodenlosen Abgrund.
Arsch im Park, Arsch im Aufzug, Arsch im Auto, Arsch auf der Toilette, Arsch auf dem Dach vor dem verglühenden Sonnenuntergang, derselbe vor dem Sonnenaufgang.
Arsch und dieser Text. Jetzt weiß ich, dass am Anfang nicht das Wort war. Am Anfang war der Arsch! Er wird auch am Ende sein.
Na gut, zur Arbeit schaff ich’s eh nicht mehr. Übrigens, deswegen bin ich kein berühmter Mensch geworden, deswegen bin ich arm.
Ich hasse diesen widerlichen Arsch. Ich will ihn zerfetzen. Ich beiße mit den Zähnen rein und fange an zu beißen, beißen, beißen… diesen appetitlichen… diesen süßen… diesen zarten Arsch.
Was ist das? Blut? Das ist ja nur Fleisch! Fleisch! Aber, Gott, wie herrlich ist dieses Fleisch!
Im Vergleich dazu hat alles, was ringsum passiert, nichts mit dem echten Leben zu tun. Das Umfeld – Mythos, Bluff, Imitation.
Alle tun nur so, als strebten sie wohin, rennen irgendwohin, tun was auf dem Lauf. Aber wir wissen, das wahre Leben – das ist hier, bei diesem Arsch.
Hier erleben wir echte Gefühle und spüren den sanften Schlag der Zeit. Nur für diese Momente lassen wir uns in den sinnlosen und lasterhaften Kreis äußerer Ereignisse verwickeln.
Hier erleben wir echtes Glück, aber auch echte Traurigkeit. Weil nach dem Arsch nichts mehr will man, nu, gar nichts. Allerdings nicht lange.
Und ich würde gern ein Strümpfchen sein, um ständig die Beine dieses Arsches zu umarmen, und ich würde gern ein Höschen sein, um ihn ganz zu umarmen.
Es ist ein Fehler zu denken, dass die Frau mit dem Arsch wackelt, in Wirklichkeit dreht sich die Welt um den Arsch.
Die ganze Welt kann dich verraten, aber nicht der Arsch. Er allein gibt Obdach und Trost.
Denn ein Mann ohne weiblichen Arsch ist nichts. Er wächst schnell mit Nägeln, Haaren, Dreck zu und wird endgültig wild.
Denn ihm selbst, ohne das Endziel, diesen oder jenen Arsch auf schlanken Beinen zu besitzen, braucht er nichts. Nu, essen, nu, trinken, nu, auf dem Sofa rumliegen.
Aber mit vollem Bauch ohne Arsch daneben zieht’s nicht mal zum Philosophieren! Wer soll dann all den Quatsch vom Sofa anhören?


