Na ja, da sind wir wieder im Bett gelandet. Wann dieser ganze Wahnsinn endlich aufhört, weiß ich nicht. Obwohl ihr Zeugen werdet, dass meine Versuche, sie loszuwerden, kein Ende nehmen.
Vom Eingang zur Schlafzimmertür zieht sich eine unterbrochene Spur aus Mänteln, Socken, Strümpfen und Unterwäsche. Verdammt ärgerlich! Wieder werde ich nachts beim Gehen irgendeine Socke nicht finden, oder wie letztes Mal die Unterhose. Unterhosen sollten unbedingt grell bunt sein oder wenigstens im Dunkeln leuchten, damit man sie in der Finsternis leichter aufspürt.
— Warte, nicht so eilig. Lass mich doch die Seite im Handbuch umblättern! Aha, dieses Bein muss man so halten, und das andere so. Stopp! Ich hab mich wohl verheddert. Lass uns von vorne anfangen. Hier steht, das Hüftgelenk nach außen drehen… Warum schreist du so?! Ich hab doch noch gar nicht mit dem Wichtigsten begonnen.
Nein, ich bin doch ein schwacher Mensch. Und meine drei großen Schwächen: Essen, Schlafen und Frauen. Sie weiß das und nutzt es schamlos aus.
Ach, wie sie kocht! Essen ist ihre Massenvernichtungswaffe. Jeder Widerstand zwecklos. Sie trifft zielsicher den empfindlichsten Punkt beim Mann – den Bauch.
Und man muss sagen, alles im Leben außer Essen löst bei mir Gleichgültigkeit und Melancholie aus. Essen ist das Einzige, was mir Selbstvertrauen gibt, zu geistigen Höhenflügen antreibt und diese Welt mit irgendeinem Sinn erfüllt.
Jedes Mal, wenn ich den Mut fasse, ihr zu sagen, dass ich gehe, schlägt sie vor, erst mal etwas zu stärken. Nach dem kleinen Festmahl werde ich zu einem großen, gutmütigen Gesicht mit verquollenen Augen.
Leise, um die verschluckte Nahrung nicht durch eine unvorsichtige Bewegung zu verscheuchen, atme ich nur jeden zweiten Zug, schleife die Wangen über den Boden und krieche vom Tisch weg. Die Kraft reicht gerade, um bis zum Bett zu gelangen, wo sie schon ungeduldig auf meinen wohlgenährten Körper wartet.
Sie entkleidet mich langsam und beginnt mit ihrem Mahl. Und wäre da nicht meine Wachsamkeit, hätte sie mich längst ganz verschlungen. Oft wache ich nachts auf, höre ihr appetitliches Schmatzen und sehe, dass die Beine schon bis zum Knie abgenagt sind. Gut, dass ich so robust bin, bis zum Morgen wachsen neue nach.
— … So, und jetzt stell dich auf alle Viere und zeig mir die Zunge. Hier steht, das Becken muss höher als die Schultern sein. Ich sagte, höher! Noch höher!.. A-a-a! Vorsicht! So ersticke ich ja.
Und wie sie weint?! Oh, sie versteht es, richtig zu weinen. Sobald sie spürt, dass ich unseren Bruch ankündigen will, wirft sie sich aufs Sofa und heult los, und ihr Rock rutscht genau so weit hoch, wie mein verfluchtes Vorstellungsvermögen braucht, um sie gleich dort auf dem Sofa zu wollen.
In der Jugend dachte ich, Sex sei das Wichtigste im Leben. Jetzt bin ich älter geworden und habe mich überzeugt, dass es so ist.
Das Leben aus Sicht des Sex läuft in Etappen ab. Kindheit, die in Jugend übergeht, dann geht die Jugend, kommt der Sex, dann kommen die Kinder, dann kommt wieder Sex, dann kommen die Enkel, dann kommt wieder Sex, der nahtlos in ebendiese Kindheit zurückmünden sollte.
Ihr Enthusiasmus im Bett ist mit nichts zu vergleichen. Unser Sex mit ihr gleicht eher einem unversöhnlichen Kampf. Wir ringen täglich mit dem Sex. In dieser Position ringen wir mit ihm, in jener auch. Und sie scheint bereit, in diesem ungleichen Kampf zu sterben, aber nie aufzugeben.
Ich hingegen ermüde von der Wildheit und Raffinesse im Bett. Immer öfter sehne ich mich nach einfachem, verständlichem Sex.
Abends von der Arbeit kommen, zu Abend essen, lesen oder fernsehen, im Dunkeln ins Bett legen, neben mir einen warmen, lebendigen Körper ertasten und leise, ohne überflüssige Bewegungen, den Arbeitstag beenden.
— … Wie schwer es doch ist, eine der dreitausendfünfhundertsiebenundachtzig existierenden Sexpositionen auszuwählen. Ständig muss man sich den Kopf zerbrechen. Das ist kein Sex, sondern eine verdammte Wissenschaftsakademie…
Ich habe versucht, sie auf verschiedene Weisen loszuwerden. Aber sie ist schlauer, als ich dachte. Man kann sie durch nichts abstoßen.
Ich habe mich bis zum Umfallen besoffen – sie, als wäre nichts, hievte mich auf ihre zerbrechlichen Schultern und schleppte mich nach Hause. Am Ende, erschöpft von der Last, warf sie mich auf die Straße, fluchte die übelsten Worte und tat, als ginge sie.
Aber ich dachte gar nicht daran, mich zu ärgern. Sobald irgendeine gutherzige Frau mich musterte und fragte, ob ich Hilfe brauche, um irgendwohin zu kommen, tauchte sie wie aus dem Nichts auf.
Und noch lange hallten ihre Flüche durch die umliegenden Höfe gegen die frechen Weiber.
— Unverschämtheit! Man kann einen Mann keine fünf Minuten allein lassen!
— … Und jetzt stell dich auf den Kopf und lass die Hände los. Keine Angst, ich halt dich ja!..
Na ja, wieder hab ich sie auf den Kopf fallen lassen. Sie hat übrigens nicht mal gezeigt, dass es wehtut. Ich bin in letzter Zeit schwächer geworden, am Wochenende muss ich mit der Hantel trainieren.
Dann wechselte ich die Taktik und entschied, alles zu tun, um von ihrem Mann auf frischer Tat ertappt zu werden. Ich ignorierte unser vereinbartes Zeichen – „Damenunterhose im Fenster“ – und stürmte in ihre Wohnung, wissend, dass er da ist.
Ohne ihm Zeit zu lassen, schnappte ich sie, trug sie ins Bett und brüllte wild beim Kommen. Der Mann tauchte hartnäckig nicht auf.
Dann rannte ich in Unterhemd und Socken durch die Wohnung, guckte unter alle Betten, riss Schränke auf und mimte einen wahnsinnigen Gorilla, der vor Begierde alles vergewaltigen will, was sich noch rührt. Doch was ich auch tat, er ertappte uns nie zu zweit. Wo sie ihn versteckt, hab ich nie rausgefunden.
— … So, diese Brust nehm ich in die linke Hand, und die andere… Stopp! Diese Schlampen haben vergessen zu schreiben, wohin mit der zweiten!..
Und ich hab nicht mal was, woran ich mich klammern könnte. Sie streitet nie mit mir, zeigt nie ihren Charakter.
Ich kann stundenlang mit Andeutungen über meine Abenteuer mit anderen Frauen quälen, ihr Schweigen wird nur sturer. Aber ich sehe doch, wie sie vor Eifersucht ohnmächtig wird auf alles, was nicht sie ist.
Sie eifert auf Frauen, Männer, Tiere, Dinge und Erinnerungen. Aus Eifersucht hat sie nacheinander drei meiner Katzen vergiftet. Als Rache hab ich ihren Lieblingskanarienvogel die Toilette runtergespült.
— … Na, und jetzt lauf über mich drüber, und dann sei mein Decken…
Wie warm mir unter ihr ist! Die Schlaue hat mich so an sich gewöhnt, dass ich längst verlernt habe, Wärme zu erzeugen, wenn sie nicht da ist. Und wenn sie jetzt aufhört, mich zu wärmen, erstarr ich vielleicht einfach und sterbe.
Und ich frage mich immer: Na, du verwöhnter Bastard, was brauchst du noch?! Was fehlt dir denn noch, du sturer Vieh?! Schau dich um! Solche Frauen liegen nicht auf der Straße. Du krepierst, besser findest du keine.
Trotzdem raffte ich die letzten Kräfte zusammen und entschied, meine letzte Chance zu nutzen, nämlich die Methode der Eidechse anzuwenden.
Zuerst warf ich ein Ohr ab, dann fiel ein Auge aus. Aber sie liebte mich weiter, als wäre nichts, und behauptete, so sei es sogar besser – weniger Konkurrenz für sie.
Doch ich konnte nicht aufhören, ich war schon im Rausch des Zerfalls. Das Bein schleifte lange, fiel aber schließlich ab. Verluste jagten einander.
Der ganze Körper bedeckte sich mit eiternden Wunden, und da verstand ich, dass das Ende naht. Nicht mehr lange zu leben, und ich entschied, die verbleibenden Minuten einem unsterblichen Werk zu widmen, um von ihr zu erzählen.
Sie ist alles! Leben ohne sie sinnlos. Leben mit ihr ebenso sinnlos, aber viel angenehmer. Sie raubt Kräfte, die unendlich werden. Sie ist ein Schwarzes Loch. Ihrem Sog widersteht nichts mehr, außer vielleicht mir.
Aber mir bleibt nicht mehr lange. Bald fällt das da ab, und gleich danach rollt der Kopf weg. Und niemand wird aufwachen, um erleichtert aufzuatmen und freudig zu jauchzen, welch absurder Schrecken dieser blöden Birne nur nicht träumt!
Ich zucke zusammen und wache auf. Tastend in der Dunkelheit finde ich sie mit trauriger Freude neben mir. Vielleicht erdrücke ich sie mit dem Kissen? Nein, das schaff ich immer noch. Und mit diesem glücklichen Gedanken schlafe ich wieder ein.


