So, geplagt von Depression, starrte ich einfach nur auf den Monitor und hing trüben Gedanken nach.
Der Computer zeigte… na ja, eigentlich gar nichts, außer diesem idiotischen Bild, das ich selbst vor ein paar Jahren hochgeladen hatte.
Klar, er ist nicht neu, nicht supermodern, aber er reicht mir völlig. In Momenten wie diesem hat er mich schon öfter vor suizidalen Anwandlungen bewahrt. Aber heute…
Vor einem Monat hat mich das Mädchen verlassen, das ich fast ein Jahr zuvor im Netz kennengelernt hatte.
Die Zeit, in der wir zusammen waren, verflog wie ein Traum. Die Arbeit ging mir leicht von der Hand, sogar dem Netz widmete ich viel weniger Zeit, dafür hatte ich einfach keinen Kopf.
Aber ich schlief noch weniger als in den Nächten, wenn ich vor dem Monitor hockte, die Finger auf der Tastatur, und mit anderen Nachtschwärmern im Web chattete.
Schlafen ließ sie mich nicht, verführte mich jede Nacht und saugte mich aus bis auf den letzten Tropfen. Morgens ging ich zur Arbeit, und sie blieb im Bett, holte Schlaf nach und bereitete sich auf den nächsten nächtlichen Angriff vor.
Und alle Nächte ähnelten sich. Sie sagte mir, ich sei der Allerbeste, und dass… und überhaupt… und niemals… (die meisten Männer verstehen das genau, ihnen wurden nachts auch Lobeshymnen gesungen, und es gab schwurhandfeste Versprechen ewiger Treue).
Und mehr noch, in der ersten Woche nach der Trennung fühlte ich mich körperlich viel besser (die Psyche war wie in Winterstarre), zumal gleichzeitig Probleme auf der Arbeit anfingen.
In der zweiten Woche aktivierte ich meine eingefrorenen Internetzugänge wieder, knüpfte alte, vergessene Kontakte im Netz.
Und erst in der dritten Woche fragte ich mich: Was ist eigentlich passiert? Und wie? Und wer ist schuld?
Und unzählige Warum vergifteten mein Dasein, nur das Netz und die Freunde darin (von realen Freunden ganz zu schweigen) retteten meinen Verstand vor unnötigen Selbstanalysen und anderen psychologischen Verrenkungen des Bewusstseins.
Es verging noch etwas Zeit, zu meinem Entsetzen stellte ich fest, dass ich mir nicht mal einen einzigen Internetzugang leisten konnte (was in diesen Krisenzeiten kein Wunder ist).
Ich fand einen vorübergehenden Gratis-Zugang nachts, der heute den Geist aufgegeben hat. Geld ist seit einer Woche alle, auf der Arbeit – totale Flaute, keine Arbeit im eigentlichen Sinne.
Ganz zu schweigen von den physiologischen Bedürfnissen eines 26-jährigen männlichen Körpers.
— Frau, Frau!!!! – schreit der Leib und weist entrüstet alle Ersatzmittel zurück, die der Verstand vorschlägt.
Versucht mal, eurem „besten Freund“ zu erklären, dass das nicht nötig ist, dass kein Geld dafür da ist, dass bessere Zeiten kommen… Nein! Er fordert es jetzt, spätestens in fünf Minuten!
Und mit der Zeit arbeitet er Hand in Hand mit dem Unterbewussten, dem es schon nicht mehr um den bloßen Akt mit (sagen wir mal einer abstrakten) Frau geht, sondern um die Präsenz einer echten FRAU!
Mit der man reden kann, vor dem Fernseher oder Computer über einen neuen Witz lachen. Die man jederzeit unter einem fadenscheinigen Vorwand in die Badewanne lotsen kann (da ist so ein Fleckchen an der Spüle, siehst du’s nicht? Beug dich weiter runter!).
Zu der man spätabends auf dem Heimweg vom Theater aufdringlich werden kann, während zufasc1:1 zufällige Zeugen entsetzte Gesichter ziehen.
Die man endlich umarmen kann, am ganzen Körper erzitternd mit jenem besonderen Schauder, der Verliebten eigen ist, und zum x-ten Mal die Liebe gestehen, mit dem Gefühl, als wäre es das allererste Mal.
Und im Schlafzimmer die Geliebte streicheln, langsam ihre Kleider abstreifen, jeden Moment der noch nicht vollzogenen Nähe auskosten, und ohne die Höschen abzunehmen, durch die Seide hindurch mit der Zunge ihr Allerheiligstes liebkosen.
Und dann langsam mit den Zähnen abstreifen, dabei die Haut ihrer wundervollen Beine neckend mit der Zunge, und an den Fersen verweilen, bis der erste, noch gedämpfte Stöhner kommt.
Das feuchte Stückchen Frauengarderobe weit in den Halbdunkel des Zimmers schleudern und mit der Zunge zurückkehren zu dem einladend schimmernden Dreieck, die immer lauter werdenden Stöhner lauschen, ihre Hände spüren, die fiebrig in mein Haar greifen und meinen Kopf tiefer in SIE pressen.
Und auf jenen siegreichen Stöhner warten, der in einen Jubelschrei übergeht, dann langsam mit den Lippen höher wandern, jeden Zentimeter dieses herrlichen Körpers mit leichten Küssen bedecken, höher… höher… und zart diese geschwollenen Lippen küssen, das Tröpfchen Blut von der zugebissenen Zunge der Geliebten ablecken.
Und spüren, wie das Leben in SIE zurückkehrt, bescheiden neben ihr liegen, mit einem Lächeln in ihre Augen blicken, die mich nun mustern, ihr Blick haftet an jenem Teil meines Körpers, der Aufmerksamkeit verlangt.
Und schon atme ich schwer, fühle die kecke Zunge, die diesen Teil reizt, und bald bin ich dran mit Stöhnen und manchmal sogar Knurren, und sehne leidenschaftlich das Ende dieser süßen Folter herbei.
Und nein, sie hat wohl beim Gestapo gearbeitet… wenn es scheint, gleich, gleich ist es so weit!… Friert sie plötzlich ein und wartet ab, und wieder… Folter…
Und wenn meine Stöhner schon wie Todesröcheln klingen, wenn es scheint, ich verliere das Bewusstsein… Hört alles auf, ein Gefühl, als wäre niemand neben mir, als wäre das alles ein Traum.
Ängstlich öffne ich die Augen… und sehe SIE über mir, und im selben Moment spüre ich mich in IHR.
Herrgott! Durch mein eigenes Stöhnen höre ich ihren Lustschrei, während mein von der langen Zärtlichkeit gequälter Schwanz in voller Tiefe in den Körper der Geliebten eintaucht.
Und ich komme sofort, und sie, das spürend, holt mich ein, und sogar durch den Orgasmus, der mein ganzes Sein ergreift, staune ich über die Leidenschaft und Kraft in diesem zerbrechlichen, bewundernswerten Körper der geliebten Frau.
Und die Klänge ihres Höhepunkts tönen wie erhabene Musik, und erschöpft erstarren wir, ohne uns zu lösen, liegen lange da, kommen zu uns und bedauern die verflogenen Augenblicke, und dösen kurz ein.
Und wachen gleichzeitig auf, und ohne ein Wort verschmelzen wir erneut in einer Liebesumarmung. Und diesmal ist alles anders.
Ich dringe langsam in SIE ein, und wir bewegen uns träge, gehen lange auf das Ende zu, wechseln nur die Stellungen, und betäuben die Nacht mit Schreien und erhellen die Dunkelheit mit dem Blitz unseres Orgasmus.
Und wieder liegen wir lange, flüstern miteinander, und mit gewissem Interesse hören wir dem Fluchen des Nachbarn zu, der (der Arme – hat SIE ihn bemitleidet) eine halbe Stunde die Schreie aus unserer Wohnung ertragen musste und jetzt bis zum Morgen nicht schlafen kann.
Und jetzt sitze ich allein vor dem Computer, starre stumpf auf den Monitor, und die Frage WARUM (warum?!) bist du gegangen? beherrscht mein Bewusstsein.
Und sie bezieht sich nicht auf die, die vor einem Monat ging. Und nicht auf die, von der ich mich letzten Frühling getrennt habe.
Sondern auf dich, Geliebte! Zwei Jahre sind vergangen, seit wir uns getrennt haben. Mit Skandal, gegenseitigen Vorwürfen des Betrugs (und nicht ganz grundlos).
Und ich liebe dich immer noch so sehr, und fürchte, ich werde dich nie vergessen können.


