Heute regnet es wieder, schon die ganze Woche gießt es in Strömen. Die Scheibenwischer klatschen, fegen das Wasser von der Windschutzscheibe, schwere Tropfen trommeln auf das Dach. Irgendwie mag ich den Regen, vielleicht wegen seiner geheimnisvollen Art.
Da kommt die letzte Kurve vor meinem Haus, gleich stelle ich meinen BMW in die Garage und setze mich mit einem Buch ans Kaminfeuer, das passt perfekt zu solchem Wetter. Ein Buch, guter Brandy und eine Zigarre – darauf habe ich mich den ganzen Tag gefreut.
Da ist die Telefonzelle, und hinter den Kiefern – mein Haus. Mir entgegen, unter dem prasselnden Regen, läuft eine Frau, die sich mit einem armseligen Schirm vor dem Guß zu schützen versucht. Ihr Anblick, ihr durchnässtes Kleid wecken sofort die Erinnerung an ein Ereignis, das vor fast einem Jahr genau hier passiert ist…
In bester Stimmung fuhr ich nach Hause, pfiff den neuesten Hit von Madonna. Nicht mal dieser außergewöhnliche Wolkenbruch konnte mir die Laune verderben, der schon den zweiten Tag die Straßen überschwemmte.
Und als ich diese einsame, traurige Gestalt am Straßenrand sah, wollte ich mein gutes Gefühl mit ihr teilen. Zumal das Mädchen ordentlich durchgefroren wirkte. Bis nach Hause war es nur eine Minute Fahrt, aber verdammt, was sind schon Extrahalbminute für einen echten Gentleman?
— Fräulein, Sie riskieren eine Erkältung, so unterwegs zu sein, lächelte ich sie mit meinem umwerfendsten Lächeln an.
— Steigen Sie ein, ich fahre Sie, wohin Sie wollen.
Mit diesen Worten öffnete ich die Tür und lud die Unbekannte in den Wagen ein.
Sie versuchte nicht mal zu widersprechen, warf nur einen Blick ins Innere, sah keine Gefahren und sprang auf den Beifahrersitz. Sie war klatschnass, bibberte vor Kälte schon leise mit den Zähnen. Ihr dankbarer Blick war mir mehr wert als alle Worte.
— Wohin soll’s gehen?, fragte ich, bereit, den Wagen zu wenden.
— Z… zum H-Haus der K-Künstler, brachte sie mühsam heraus und sah mich an.
Erst jetzt fiel mir auf, wie schön sie war… Riesige Augen, grün wie Frühlingslaub, süße Lippen wie ein Schleifchen, fein geschnittene Züge. In ihrem Wesen lag etwas Unfassbares, vielleicht ein kalter Windhauch, vielleicht heißer Atem auf dem Liebeslager.
Und ihre Figur… Das durchnässte Kleid aus roter Seide klebte wie eine zweite Haut. Mein flüchtiger Blick erfasste die spitzen kleinen Brüste, die Wespentaille meiner unerwarteten Begleiterin.
— Na ja, für Sie wär’s besser, schnell was Warmes anzuziehen und was zu trinken, sagte ich, wendete den Wagen und schaute mich um.
Das Haus der Künstler nennen wir ein altes Hochhaus. Früher hat da mal vorübergehend ein berühmter Maler gewohnt, aber sein Name ist längst vergessen, nur der Beruf ist hängen geblieben. Besonders ist es nicht, abgesehen von der großen Glaskuppel auf dem Dach.
Die leeren Straßen ließen uns in fünfzehn Minuten hinkommen. Ich schaltete die Heizung ein, und meine Begleiterin taute ein bisschen auf, hörte jedenfalls auf zu klappern. Wir redeten kaum – ich war mit dem Fahren beschäftigt.
Nach dem Parken griff ich den Schirm vom Rücksitz und bot an, sie zum Eingang zu bringen. Sie lehnte nicht ab, und wir traten hinaus unter die peitschenden Stränge des Herbstregens. Sie drückte sich an mich, vielleicht vor Kälte, vielleicht aus Angst, wieder nass zu werden. Ihre Berührung erregte mich, aber ich blieb bis zum Schluss der Gentleman.
Im Foyer wollte ich mich verabschieden und gehen, doch sie fasste mich plötzlich am Ellenbogen.
— Gehen Sie nicht, wenn’s möglich ist…
Ihre Augen raubten mir jeden Widerstand, und ich folgte ihr gehorsam zum Aufzug…
Sie wohnte ganz oben. Ein Penthouse, immer spannend. Hier besonders, weil ein großer Teil der nicht kleinen Wohnung diese Glaskuppel als Decke hatte. Und die Einrichtung war auch viel Glas.
Das machte es zu einem Kristallpalast aus einem Kindermärchen, ziemlich faszinierend. Dieses Gefühl von Unwirklichkeit verstärkten die Metallfiguren, meist nackte Männer- und Frauenkörper.
Während ich das alles bestaunte, hatte meine Begleiterin sich umgezogen und die Haare getrocknet. Nun waren ihre feurigen Locken im Nacken zusammengebunden, was ihren eleganten langen Hals freilegte.
Sie kam zu mir und stellte sich endlich vor.
— Giulia, und reichte mir die Hand.
Ein Wasserfall aus Gedanken und Gefühlen durchströmte mich, als ich ihre noch kühle Hand berührte. Vor mir stand eine Frau, die alles über mich wusste, die tödlichen Schmerz und verzehrendes Vergnügen schenken konnte…
— Matteo. Ich meine Matteo, ich wurde wohl rot, denn sie lächelte leicht.
— Wunderbar, Matteo, sie ließ meine Hand nicht los und wies auf die Couch am Panoramafenster.
— Setz dich, ich hol einen Cocktail. Was möchtest du?
— Soda…, ich zögerte.
— Ich muss heute noch fahren.
— Morgen!, und wieder entwaffnete sie mich mit den grünen Funken in ihren Augen.
— Dann Brandy mit Eis.
Mein Herz hüpfte hoch und blieb im Hals stecken.
Wir saßen auf weichem Samt und führten ein gemächliches Gespräch, das man gesellig nennen könnte, wäre da nicht dieser Funke Begierde, Leidenschaft, der sich zu einem Brand auswachsen konnte. Ich bewunderte die Vollkommenheit ihrer Schönheit, versuchte das Unfassbare zu enträtseln, das mich schon im Auto irritiert hatte.
Sie war herrlich, und die Kleidung betonte nur Giulias Schönheit und ihre Überflüssigkeit. Ihre Bewegungen… Graziös und leicht, ihre Stimme zart und tief, ihre Worte aufwühlend, ihre Lippen…
Ich beugte mich vor und küsste sanft diese rote Blüte.
— Nicht jetzt, später…, sagte sie so, dass ich verstand – wir warteten auf etwas.
Ich fragte nicht nach, es machte mich neugierig. Draußen wurde es rasch dunkel, und irgendwann stand Giulia von der Couch auf und ging in ihr Zimmer. Ich blieb allein, erregt und verwirrt zugleich.
Aber das hatte seinen Reiz – zu schneller Sex war nur in der Jugend gut. Meine Gedanken wurden unterbrochen, als das Licht plötzlich ausging. Die Kuppel gab auch kein Licht, und für einen Moment herrschte Finsternis.
Doch dann… Die Ecken gegenüber dem Fenster loderten in blauen Feuern auf, am Rand der Kuppel leuchteten gedämpft rote Lampen in Form von Kristallblumen, alle Würfel, Pyramiden und Ständer aus durchsichtigem Material glühten von innen in mattem Schein.
Der Raum wurde zu etwas Fantastischem, Schatten verschwanden und tauchten auf, zuckten wie Gespenster in den Winkeln… „Enigma“, das gerade im Player lief, unterstrich den ganzen Surrealismus…
Giulias Erscheinen war lautlos und unerwartet. Plötzlich materialisierte sie aus dem Nichts, wurde sofort zum Mittelpunkt meines Universums. Ihr Anblick ließ mich den Atem anhalten, das Herz stocken.
Sie trug nur ein rotes Spitzenbody. Es begann am Hals, umfloss ihre Brüste, Hüften, langen, schlanken Beine. An den Händen lange Handschuhe aus derselben Spitze, und die roten, feurigen Haare fielen über die bloßen Schultern…
Ich brachte kein Wort heraus, so schön war sie. Das Glas mit dem Rest Brandy schien mir eine Rettung, und ich kippte mechanisch die brennende Flüssigkeit in einem Zug hinunter.
Giulia trat ganz nah, und ich roch den erregenden Duft ihres Parfüms, vermischt mit ihrem eigenen. Mir wurde schwindlig, ich starrte nur, konnte den Blick nicht abwenden von dieser Fee.
Sie strich über mein kurzes, hartes Haar und holte irgendwoher eine dunkle Seidenbinde.
— Ich will, dass deine Augen vorerst geschlossen sind…, und sie hüllte alles um mich in kühle Dunkelheit.
Ihre Hände streichelten mich, berührten mal das Gesicht, mal den Hals, mal die Brust, ihre Handflächen schlüpften unter den Hemdkragen. Ihre Lippen wanderten über meine, die Zunge drang in meine Ohren, sie küsste meine Hände.
Eine Knopf nach dem anderen öffnend, bedeckte sie jeden freigelegten Zentimeter mit Küssen. Ich versuchte, sie zu streicheln, aber sie stoppte jeden Versuch, fuhr fort, mich so zärtlich zu liebkosen, dass ich mich ganz ihrer Macht hingab.
Nach dem Hemd, immer noch meinen Körper mit Küssen übersäend, entledigte sie mich der restlichen Kleidung… Ihre Hände glitten über meine Beine, ihre Lippen über jeden Millimeter…
Ich spürte kaltes Metall an meinen Handgelenken, sie fesselte meine Arme hinter dem Rücken mit Handschellen. Das war neu für mich, aber sie beruhigte mich sofort, flüsterte etwas, rieb ihre Nase an meiner Wange.
Wieder reisten Lippen und Hände von oben nach unten, und bald fühlte ich an meinem schon steinharten Stab ihre weiche, in enger Seide gehüllte Pfote. Die Berührung war so unerwartet und ersehnt, dass ich zusammenzuckte, den Atem anhielt und auf mehr wartete…
Die Hitze ihrer Lippen löste die Kühle des Stoffs ab, umfing mich, erfüllte mich mit Ekstase… Dieses Feuer loderte an der Spitze meiner Lanze und stieg auf, durchdrang alles, raubte die letzten Gedanken, gab mich dem Genuss hin, näherte den grandiosen Höhepunkt…
Mein Atem wurde zum Stöhnen, zum ersten Mal, aber Giulia hielt nicht inne, nahm einen Teil von mir auf, streichelte weiter mit den Händen… Ich lag da, schwer atmend, unfähig mich zu rühren, als die Binde von meinen Augen fiel.
Giulia lag neben mir, streichelte mich, drückte sich mit dem ganzen Körper an mich. Ich wollte etwas sagen, aber sie legte einen Finger auf meine Lippen, flüsterte fast nur mit den Lippen.
— Pst, keine Worte, Liebling…, und küsste mich lang, feucht.
Sie erhob sich, schüttelte ihr Haar und strich mit der Hand über ihren zauberhaften Körper, verharrte einen Moment an der Brust. Die zweite Hand folgte dem Pfad, und nun glitten sie gemeinsam wie Schlangen über die Haut, die unter der Spitze verborgen war…
Ein unsichtbarer Knopf öffnete sich, und der seidene Muster floss hinab, enthüllte den weißen Marmor ihres Leibes. Die Finger hielten nicht inne, drangen in alle Vertiefungen, verweilten lang an den spitzen Knospen, streichelten das Gesicht und tauchten tiefer, tiefer, riefen Seufzer und kurze Zuckungen hervor…
Mein Kumpel war schon wieder aufgestanden, mit neuer Kraft, und nun waren Giulias brennende Augen auf seine zitternde Spitze geheftet. Ohne aufzuhören, sich zu streicheln, setzte sie sich auf mich, presste meine Schenkel mit ihren Beinen zusammen und senkte sich auf diesen Gipfel…
Meine Hände waren gefesselt, ihre Hände drückten mich ans Bett, ließen mich nicht näher kommen. Sie bewegte sich auf mir, hielt manchmal inne, wurde dann schneller.
Ihre Augen schlossen sich, ein Stöhnen entwich den Lippen, aber sie hielt nicht an, spießte sich nun mit Kraft auf die Festung meines Fleisches. Das Stöhnen wurde zu kindlichem Wimmern, sie zog sich plötzlich innen zusammen und erstarrte… um im nächsten Moment auf meine Brust zu sinken, schluchzend und keuchend…
Ihr Haar bedeckte mein Gesicht, die Explosion des Orgasmus verhüllte den Verstand, trug mich in eine andere Welt…
Ich tastete nach dem Knopf am Armband, und mit einem Klick öffnete es sich. Befreit von dem eisernen Ding, strich ich über die Haare meiner Königin, küsste gleichzeitig ihr Gesicht.
Sie lag noch immer reglos, nur der rasende Schlag ihres Herzens verriet Leben in diesem prächtigen Körper. Ich war noch in ihr, und warum sollten wir uns trennen?
Nun streichelten meine Finger ihre Haut. Ich wollte ihren Ruhe nicht stören, ihre bezaubernde Reglosigkeit. Sie hatte mir ihre Zärtlichkeit geschenkt und ruhte nun, um Kraft zu sammeln für meine…
Wir brauchten etwas zu trinken, und ich, nachdem ich die schon erwachende Giulia von mir gehoben hatte, ging Getränke holen. Das Erste, was mir in die Hände fiel, war kaltes Martini.
Ich goss es in Gläser und kehrte zu unserem Lager zurück. Sie lächelte schon, blickte mich mit funkelnden Augen an. Der Wein erfrischte uns, gab Kraft, stillte den Durst.
Sie umarmte mich, schlang ihre Arme – Schlangen, noch in Spitze gehüllt – um mich. Gurrend wie Tauben vergaßen wir nicht, dass man nicht nur mit Worten kommunizieren kann.
Lippen, Hände, Körper – alles sprach miteinander, erkundete den anderen, forschte in verborgenen Winkeln und geheimen Ecken. Ihr intimes Plätzchen war glatt rasiert, nur ein kleiner Insel aus kurzen, weichen Haaren blieb, das machte die Erkundung ihres Körpers noch reizvoller…
Giulia war schon ziemlich feucht, als ich wieder kampfbereit wurde. Sie spürte es und sagte, forderte eher.
— Nimm mich!
Ich wollte ihre Zärtlichkeiten erwidern, aber sie hielt mich auf.
— Nein, ich will, dass du grob und stark bist! Nimm mich, schnell!
Einen Moment verweilte ich am Eingang zu ihrer Tiefe, dann stieß ich mit Kraft meinen Prügel in sie hinein. Auf Knien am Bett stehend, trieb ich ihn in Giulia mit solcher Wucht, dass bei jedem Stoß ein kurzes Stöhnen aus ihrer Brust brach.
Fest ihre Hüften packend, steigerte ich das Tempo, nun konnte ich selbst Stöhnen und Knurren nicht unterdrücken. Sie wand sich auf mir, krallte ihre scharfen Nägel in meine Arme, erfüllte den Raum nun mit Schreien, strömte unermesslich Feuchtigkeit aus ihrer Höhle…
In ihr zog sich alles zusammen, vibrierte, aber ich drosselte Tempo und Druck nicht, verlor jede Kontrolle über meine Bewegungen. Wann Giulia das erste Mal kam, konnte ich nicht sagen, aber ihre Schreie zeugten von Orgasmen, die aufeinanderfolgten, jedes Mal ihre Krallen lockerten…
Ich hielt inne, und in diesem Moment erreichte ich den Gipfel der Lust. Sie mit meinem Saft füllend, konnte ich einen triumphierenden Schrei nicht halten, sog gierig die dicke, heiße Luft ein…
… Den Blick auf die hastende Dame unter dem nutzlosen Schirm folgend, traf ich wieder auf die Scheibenwischer, die versuchten, das Glas von den flutenden Strömen zu reinigen. Da ist mein Häuschen, gleich stelle ich den Wagen in die Garage und hülle mich in eine Decke, genieße die Lektüre und duftenden Brandy.
Leider ist Giulia für immer Vergangenheit, wie ein märchenhafter, zauberhafter Kindheitstraum…


