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Kosmischer Dominanzfick

Im Jahr 1987 bekam ein junger Kerl in den Vereinigten Staaten die Chance, seine Alten vor den Kadi zu zerren und sie für ihre Erziehungsfehler zu verklagen.

Er konnte sie in den Gerichtssaal schleppen, sie zur Kasse bitten oder sogar hinter Gitter bringen, für die schweren Patzer, die sie begangen hatten, als er noch ein hilfloses Balg war.

Das war nicht nur ein Versuch, Gerechtigkeit herzustellen, sondern auch eine Methode, das Bevölkerungswachstum zu bremsen, weil das Essen knapp wurde.

Abtreibungen gab’s umsonst. Und eine Frau, die freiwillig hingegangen ist, durfte sich als Belohnung entweder eine Badezimmerwaage oder eine Tischlampe aussuchen.

1989 verkündete Amerika das Programm des Großen Kosmischen Ficks, eine ernsthafte Anstrengung, der Menschheit irgendwo im Universum eine Zukunft zu sichern, weil das Leben auf der Erde eindeutig bald den Bach runterging.

Alles war zu Scheiße verkommen, zu Bierdosen, alten Karren und Flaschen von Bleichmittel.

Interessantes Ding passierte auf den Hawaii-Inseln, wo man jahrelang Müll in die Krater erloschener Vulkane gekippt hatte: Ein paar Vulkane spuckten plötzlich alles wieder aus. Und so weiter.

Das war eine Zeit großer Sprachfreiheit, da konnte sogar der Präsident unflätige Wörter rauslassen, und keiner fühlte sich beleidigt oder verletzt. Alles im grünen Bereich.

Er nannte den Kosmischen Fick Kosmischen Fick, und alle plapperten es nach.

Sie bauten ein Raumschiff, dessen Bug mit 800 Pfund gefriergetrocknetem Samen vollgepackt war.

Das Ding wollten sie Richtung Andromeda-Galaxy schießen, zwei Millionen Lichtjahre entfernt.

Das Schiff tauften sie „Arthur C. Clarke“, zu Ehren des berühmten Pioniers der Raumfahrt.

Der Start war für Mitternacht am 4. Juli angesetzt.

An dem Abend um zehn Uhr guckten Holger Müller und seine Frau Heike die Vorbereitungen zum Start im Fernsehen, hockten in der Stube ihres schäbigen Häuschens in Elk Harbor, Ohio, das am Ufer stand, was mal der Lake Erie gewesen war.

Bis dahin war der See fast komplett zu festem Dreck geworden. Darin hausten menschenfressende Neunaugen, 38 Fuß lang.

Holger arbeitete als Wächter im Institut für Erwachsenenkorrektion des Staates Ohio, zwei Meilen entfernt, und sein Hobby war, Vogelhäuschen aus Bleichmittelflaschen zu basteln.

Er bastelte sie weiter und hängte sie im Hof auf, obwohl keine Vögel mehr da waren.

Holger und Heike starrten fasziniert auf den Film, der zeigte, wie der Samen für die Reise vorbereitet wurde.

Ein kleines Fläschchen mit dem Zeug, gespendet vom Leiter der Mathe-Fakultät der University of Chicago, wurde blitzschnell eingefroren.

Dann kam es unter eine Glocke, aus der sie die Luft rausgesaugt hatten. Die Luft verpuffte mit der Feuchtigkeit, zurück blieb feinster weißer Puder.

Klar, von dem Puder blieb nicht viel übrig – und Holger Müller sagte das laut – aber drin steckten Hunderte Millionen Spermien, in Tiefschlaf versetzt.

Und der Puder reicht aus, rechnete Holger vor, um ein Nadelöhr zu füllen. Achthundert Pfund von dem Zeug würden bald auf dem Weg nach Andromeda sein.

—Fick dich, Andromeda, sagte Holger, und es klang kein bisschen grob.

Dasselbe stand auf Plakaten und Aufklebern überall in der Stadt. Auf anderen hieß es: „Andromeda, wir lieben dich“, oder „Die Erde hat ’nen Ständer auf Andromeda“, und so weiter.

Es klopfte an der Tür, und schon kam der Sheriff des Countys rein, ein alter Kumpel der Familie.

—Wie geht’s, alter Arschficker?, fragte Holger.

—Kann nicht klagen, du Scheißgesicht, gab der Sheriff zurück, und sie warfen sich noch ’ne Weile solche Nettigkeiten an den Kopf.

Heike kicherte, genoss ihr Witzeln. Sie hätte nicht so fröhlich gelacht, wenn sie schärfer hingeguckt hätte.

Dann hätte sie gemerkt, dass die Munterkeit des Sheriffs nur Fassade war, tief drin nagte was an ihm. Und sie hätte gesehen, dass er offizielle Papiere in der Hand hielt.

—Setz dich, alter Furzknall, lud Holger ein, und guck zu, wie Andromeda den größten Schock ihres Lebens kriegt.

—Soweit ich das kapiere, wandte der Sheriff ein, müsste ich bei euch über zwei Millionen Jahre hocken. Meine Alte würde sich sorgen, ob mir was zugestoßen ist.

Der Sheriff war cleverer als Holger. Sein Samen war auf dem „Arthur C. Clarke“, Holgers nicht.

Um deinen Samen mitzuschicken, brauchtest du ’nen IQ von mindestens 115. Es gab Ausnahmen: Wenn du guter Sportler warst, oder Musikinstrument spieltest, oder maltest, aber Holger schaffte es da auch nicht.

Er hoffte, dass Vogelhäuschen-Bastler ’ne Sonderkategorie kriegen, aber Fehlanzeige.

Andererseits durfte der Direktor der New Yorker Philharmoniker ’ne ganze Quart spenden, wenn er wollte. Der Direktor war achtundsechzig. Holger zweiundvierzig.

Auf dem Bildschirm tauchte ein alter Astronaut auf.

Er sagte, klar würde er gern mitfliegen, wohin sein Samen ging. Stattdessen musste er zu Hause hocken, mit Erinnerungen und ’nem Glas Tang.

Tang galt als offizielles Getränk der Astronauten. Gefriergetrockneter Orangensaft.

—Mag sein, du hast keine zwei Millionen Jahre, sagte Holger, aber fünf Minuten bestimmt. Setz dich, alter Knochen.

—Eigentlich bin ich wegen ’ner Sache da, sagte der Sheriff und ließ die Traurigkeit in seinem Gesicht aufscheinen, die ich normalerweise im Stehen erledige.

Holger und Heike waren ehrlich baff. Sie hatten keinen Schimmer, was auf sie zukam.

Und so lief’s ab: Der Sheriff reichte jedem eine Vorladung und sagte:

—Es ist meine traurige Pflicht, euch mitzuteilen, dass eure Tochter Mareike euch verklagt, weil ihr ihr ganzes Leben ruiniert habt, als sie noch Kind war.

Holger und Heike saßen da wie vom Blitz getroffen. Sie wussten, dass Mareike jetzt einundzwanzig war, aber sie hatten nie im Traum gedacht, dass sie das durchzieht.

Sie lebte jetzt in New York, und als Heike sie am Telefon zum Geburtstag gratuliert hatte, sagte sie sogar:

—Weißt du, du gerupftes Vögelchen, du könntest uns jetzt verklagen, wenn du wolltest.

Heike war so sicher, dass sie und Holger gute Eltern gewesen waren, dass sie lachend hinzufügte:

—Und wenn du magst, könntest du deine Alten in den Knast stecken.

Mareike war übrigens ihr einziges Kind. Sie hätte bald Geschwister kriegen können, aber Heike hatte ein paar Abtreibungen und stattdessen drei Tischlampen und ’ne Badezimmerwaage ergattert.

—Was haben wir ihr denn angetan?, fragte Heike den Sheriff.

—In jeder Vorladung steckt ’n separates Blatt mit den Anklagepunkten, sagte er.

Er konnte seinen alten, unglücklichen Freunden nicht mehr in die Augen schauen, starrte stattdessen auf den Fernseher.

Ein Wissenschaftler erklärte, warum Andromeda das Ziel war. Zwischen Erde und Andromeda gab’s mindestens siebenundachtzig chronosynklastische Infundibula, also Zeitverzerrungen.

Wenn der „Arthur C. Clarke“ durch eine davon flog, würde aus einem Schiff mit Ladung ein Milliarden werden, verstreut in Zeit und Raum.

—Und wenn’s irgendwo im Universum ’ne Eizelle gibt, versprach der Wissenschaftler, wird unser Samen sie finden und aufblühen.

Bislang war der deprimierendste Teil des Raumprogramms natürlich die Demonstration, dass Eizellen verdammt weit weg waren, falls sie überhaupt existierten.

Dumme Schädel wie Holger und Heike, und sogar schlaue wie der Sheriff, sollten glauben, dass die Rakete freundlich empfangen wird, und dass die Erde nur ’n Haufen Scheiße war, genutzt als Startrampe.

Jetzt war die Erde wirklich ’n Haufen Scheiße, und sogar die Dümmsten kapieren langsam, dass sie vielleicht die einzige unbewohnbare Welt sein könnte, die Menschen je finden.

Heike brach in Tränen aus, weil ihre Tochter sie verklagte, und die Liste der Klagepunkte, die sie las, verschwamm vor ihren Augen vor lauter Wasser.

—Mein Gott, mein Gott, mein Gott, sagte sie, sie listet Sachen auf, die ich längst vergessen hab, aber sie hat nichts vergessen. All das passierte, als sie erst vier war.

Holger las seine eigenen Klagepunkte, also fragte er Heike nicht, was sie so Schreckliches getan hatte, als Mareike vier war.

Und so war’s: Die arme kleine Mareike hatte Buntstifte genommen und die neuen Tapeten im Zimmer mit schönen Bildern vollgekritzelt, um Mama zu freuen.

Statt gerührt zu sein, war Mama stocksauer geworden und hatte sie verhauen.

Seitdem, behauptete Mareike, zitterte sie wie Espenlaub beim Anblick von allem, was mit Malen zu tun hatte, und brach in kalten Schweiß aus.

—Dadurch wurde ich beraubt, notierte der Anwalt nach Mareikes Worten, einer glänzenden und lukrativen Karriere als Künstlerin.

Holger erfuhr derweil, dass er seiner Tochter die Chancen auf das genommen hatte, was der Anwalt „vorteilhafte Ehe und daraus resultierenden Komfort und Liebe“ nannte.

Holger hatte das getan, indem er angeblich nicht ganz angezogen war, als die Klägerin an die Tür klopfte.

Und später, wenn er die Tür aufmachte, war er oft oberkörperfrei, trug aber seinen Gürtel mit Revolver und Munitionstasche.

Sie nannte sogar den Namen des Liebhabers, den sie wegen ihres Vaters verloren hatte: Lukas A. Neumann, der später jemand anderen geheiratet hatte.

Jetzt hatte er ’nen super Job. Er diente in einer geheimen Einheit im Arsenal von South Dakota, wo Container mit Cholera und Beulenpest gestapelt lagen.

Der Sheriff hatte noch mehr schlechte Nachrichten in petto, und er wusste, dass er bald die Gelegenheit kriegen würde, sie auszupacken.

Die armen Holger und Heike würden ihn gleich fragen: „Was hat sie dazu gebracht, uns das anzutun?“

Die Antwort wäre eine weitere Hiobsbotschaft – Mareike war gerade von der Polizei verhaftet worden, weil sie eine Bande von Ladendieben anführte.

Der einzige Weg für sie, dem Knast zu entgehen, war zu beweisen, dass ihre Eltern schuld waren an allem, was aus ihr geworden war und was sie angestellt hatte.

Unterdessen erschien auf dem Schirm Gunter Schmitz – Senator aus Mississippi, Vorsitzender des Senats-Komitees für Raumfahrt.

Er war hochzufrieden mit dem Großen Kosmischen Fick und sagte, dass das Amerikanische Raumfahrtprogramm all die Jahre genau darauf hingearbeitet hatte.

—Ich bin stolz, sagte der Senator, dass die Vereinigten Staaten es passend fanden, die größte Fabrik für das Gefriertrocknen von Samen in seinem kleinen Heimatstädtchen namens Mayhew zu bauen.

Übrigens, das Wort „Samen“ hatte ’ne interessante Geschichte. Es war so alt wie „Fick“, „Scheiße“ und ähnliche Wörter, aber es wurde noch lange aus Wörterbüchern rausgeworfen, nachdem alle anderen drin waren.

Das lag daran, dass viele Leute wenigstens ein richtig unflätiges magisches Wort behalten wollten – das letzte verbliebene.

Und als die Vereinigten Staaten ankündigten, etwas richtig Magisches zu tun – die Andromeda-Galaxy mit getrocknetem Samen zuzumüllen –, korrigierte das einfache Volk seine Regierung.

Ihr kollektives Unterbewusstes erklärte, es sei Zeit, das letzte magische Wort ans Licht zu zerren.

Sie beharrten darauf, dass „Sperma“ nutzlos sei, um es in eine andere Galaxie zu schießen. Nur „Samen“ tauge dazu.

Also benutzte die Regierung das Wort, und tat sogar was Neues – standardisierte die Aussprache.

Der Typ, der den Senator Schmitz interviewte, bat ihn aufzustehen, damit alle seinen Hosenschlitz gut sehen konnten.

Damals waren die in Mode, und viele Kerle trugen Hosenschlitze in Raketenform, zu Ehren des Großen Kosmischen Ficks.

Auf dem Raketenkörper standen meist die Buchstaben „USA“. Aber auf dem des Senators Schmitz prangten die Sterne und Streifen der Föderation.

Das lenkte das Gespräch auf Heraldik im Allgemeinen, und der Interviewer erinnerte den Senator an seine Kampagne, den Adler aus dem amerikanischen Wappen zu entfernen.

Der Senator erklärte, er wolle nicht, dass sein Land von ’ner Vogelart repräsentiert wird, die in diesen Zeiten eindeutig nicht den Mumm für ernste Sachen hatte.

Gefragt nach einem Tier, das seiner Meinung nach Mumm hatte, nannte der Senator gleich zwei: Neunauge und Regenwurm.

Aber weder er noch sonst wer wusste, dass die Neunaugen entschieden hatten, die Großen Seen seien zu eklig und giftig sogar für sie.

Und während die Leute zu Hause saßen und dem Großen Kosmischen Fick zusahen, krochen die Neunaugen aus dem Schlamm ans Ufer. Einige waren so lang und dick wie der „Arthur C. Clarke“.

Und Heike Müller wandte ihre nassen Augen von dem ab, was sie las, und stellte dem Sheriff die Frage, die er gefürchtet hatte:

—Was hat sie dazu gebracht, uns das anzutun?

Der Sheriff antwortete ihr, und brach selbst in Schluchzen aus über das grausame Schicksal.

—Das ist die scheußlichste Pflicht, die ich je erfüllen musste, sagte er heulend, solche herzzerreißenden Nachrichten engen Freunden wie euch zu bringen – und das in der Nacht, die die fröhlichste in der Menschheitsgeschichte werden sollte.

Er ging raus, immer noch schluchzend, und landete direkt im Maul eines Neunauges.

Das verschluckte ihn sofort, aber er schaffte noch ’nen Schrei.

Holger und Heike Müller rannten raus, um zu sehen, was der Schrei sollte, und das Neunauge fraß auch sie.

Und die Ironie war, dass der Fernseher den Countdown weiterlaufen ließ, auch als sie ihn weder sehen noch hören konnten, und ihnen sowieso alles scheißegal war.

—Neun, sagte die Stimme. Dann „acht“. Dann „sieben“. Und so weiter.

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