Der Schneesturm tobte so wild, dass das Fenster in nur zwei Stunden von außen vollständig mit Schnee verklebt war.
Das nackte Mädchen stieg aus dem Bett, umfasste ihre beigefarbenen Schultern und trat ans Fenster.
Sie klopfte leicht mit der Faust gegen die Scheibe, in der Hoffnung, der Schnee draußen würde abfallen.
Genau so geschah es: Ein kleiner, dünner Brocken brach lautlos ab und verschwand.
Das Mädchen beugte sich zu dem entstandenen Guckloch und starrte lange auf die verschneiten Dächer.
Dann drehte sie sich um, mit einem rätselhaftem Lächeln eines vollkommen glücklichen Menschen, und sagte mit unschuldigen Worten:
— Wie schnell ist der Winter in diesem Jahr gekommen!
Der Mann schlug die Decke zurück und setzte sich auf dem Sofa auf.
Er blickte das Mädchen an. In seinen Augen lag nichts als müde Wärme.
— Élise! rief er. Komm, setz dich zu mir!
Mit jener eifrigen Bereitschaft, die Frauen nur zeigen, wenn sie ihr Verlangen betonen wollen, sofort ihrem Herrn zu gehorchen, stürzte das Mädchen zum Mann.
Sie setzte sich aber nicht neben ihn, wie er es gewünscht hatte, sondern auf den Teppich zu seinen Füßen, legte Hände und Kopf in seinen Schoß:
— Weißt du, Antoine, ich glaube, ich bin endlich wirklich glücklich…
Antoine grub seine Finger in die Haare seiner Geliebten, hob ihren Kopf. Er lächelte.
— Da wir heute diese Entscheidung getroffen haben… Eine Entscheidung fürs ganze Leben… Lass uns diesen Tag feiern, schlug er vor.
— Lass uns, nickte Élise. Gehen wir irgendwohin?
— Zuerst kaufe ich dir bei den Händlern einundzwanzig purpurrote Rosen.
— Warum einundzwanzig?
— Hast du vergessen, wie alt du bist?
Das Mädchen stieß lachend die Luft aus – das war ihre seltsame Art zu lachen:
— Dann kauf neunundfünfzig.
— Wozu?
— Weil heute unser gemeinsamer Feiertag ist, und wenn man unsere Jahre zusammenzählt, und vor allem, was Rosen in dieser Jahreszeit kosten…
— Dann kaufe ich dir ein anderes, aber absolut außergewöhnliches Geschenk.
— Ja. Perlenketten. In dem Kiosk da bei der U-Bahn. Meine Freundin – na ja, die arme Dichterin, für die das ihr einziger Schatz ist, hat sie mir mal zum Anprobieren gegeben und gleich gesagt, sie nimmt sie nicht zurück, weil das mein Ding ist, als wäre ich damit geboren. Es hat mich riesige Mühe gekostet, ihr die Kette zurückzugeben – sie hat sich gewehrt, aber in meiner Seele sind sie hängen geblieben. Die Dichterin ist eine matte Blondine, auf ihr wirkt der Perlenschmuck irgendwie blass, aber auf mir – ich bin ja ganz dunkel und schwarzhaarig – erstrahlt er in unmöglichen Schattierungen – blau, rosa, gelb – wo es die vorher gar nicht gab… Kurz: Er lebt! Ich hab immer Geld dafür gespart, aber nie die vierhundert Rubel zusammenbekommen, immer verlockt mich irgendein Kleinkram…
— Abgemacht, freute sich Antoine. Heute bin ich reich. Gleich kaufen wir die Perlen. Danach gehen wir den Antrag einreichen. Und dann schnappen wir uns ein Taxi und fahren ins ‚Nord‘. Der Direktor da ist mein Schulfreund, der nimmt uns auf wie Könige.
— Und du sagst deinem Freund, fiel das Mädchen ein, das hier ist meine Braut, Élise Moreau.
— Braut, wiederholte Antoine fest und sah Élise an, wie nur sehr offene und verliebte Menschen blicken.
Am Kiosk zog Élise ihren Daunenschal ab, der ihren Hals umfangen hatte, und Antoine schloss feierlich den Verschluss der Perlenkette hinten an ihrem Nacken.
Das Mädchen starrte sich im Schaufensterglas an. Und sie war in diesem Moment wirklich außergewöhnlich.
Aus dem grauen, abgetragenen Fuchskragen reckte sich hilflos ein schlanker, dunkler Hals, auf dem der Perlenschmuck sein eigenes, unnahbares, unerreichbares Leben führte.
Antoine versank in der Betrachtung seiner Liebsten.
Élise weigerte sich, den Schal wieder anzuziehen, aber Antoine spürte, sie würde sich nicht erkälten – solch greifbare, gütige und glückliche Wärme, fast ein Leuchten, ging von ihr aus.
Es war stockdunkel geworden.
Mühsam bahnte sich das uralte Auto mit den Rädern einen Weg durch den lockeren Schnee und hielt vor der geschlossenen Glastür des Restaurants.
Deren eine Hälfte nahm eine riesige Tafel „Keine Plätze“ ein, die wohl für immer dort angebracht war, und die andere die Rückseite des Portiers, der sich nicht einmal umdrehte, als Antoine klopfte.
Der musste kräftig gegen die Tür treten, damit der Portier, ohne die Nase aus der Zeitung zu heben, eine vage Geste zur Tafel machte, offenbar überzeugt, es mit einem Irren zu tun zu haben.
Antoine wiederholte den Tritt, und erst dann begann der Portier, ohne die Tür zu öffnen, mit Zeichen zu fragen, worum es ging.
Worauf Antoine rief, er brauche den Direktor persönlich. Der Portier fing an, langwierig nachzufragen, was und warum.
Die quälende Szene, während der Élise ein paar Schritte zurückblieb, wurde schon komisch.
Endlich erschien durch Zufall der Direktor selbst im Vorraum, erkannte den Freund auf den ersten Blick, schob den Portier beiseite und zog den Riegel zurück.
Die Freunde umarmten sich gleich auf der Schwelle, dann klopften sie sich auf die Schultern und stießen die übliche Unsinnigkeit aus:
— Na, wie geht’s?
— Und dir?
— Ach, nichts!
— Und ich, wie du siehst…
— Mann, du bist der Hammer!
Und der Direktor zog Antoine allmählich mit sich.
In diesen ersten Minuten war Élise vor Verlegenheit nicht ins Restaurant getreten, blieb vergessen.
Da sie aus Schüchternheit keinen Versuch unternahm einzutreten, hielt der Portier sie für eine Fremde und begann, die Glastür zu schließen.
Erst da kam das Mädchen zu sich und überschritt die Schwelle, wurde aber vom Portier gestoppt, der ihr den Weg versperrte und dröhnend fragte:
— Und was wollen Sie hier?
Verwirrt, erschrocken vom plötzlichen scharfen Ton, machte Élise eine unbestimmte Geste zu den Männern, die schon ein paar Schritte vorausgegangen waren.
Hätte sie noch eine Sekunde durchgehalten, hätte Antoine sich umgedreht, sie gerufen, und alles wäre so gelaufen, wie geplant.
Aber der Portier drängte Élise schon mit seiner ganzen Masse zum Ausgang. Das sahen die umgewandten Freunde.
— Mit dir?, fragte der Direktor seinen Gast.
Und da überrollte den von der Begegnung aufgeregten Antoine eine Welle übermütigen Schabernacks, jener krankhaft angespannte Zustand, von dem man sagt: „Der Teufel zieht an der Zunge“.
— Nein, sagte er schnell und, entsetzt über sich selbst, öffnete den Mund, um über seinen eigenen Witz zu lachen und die Braut hereinzubitten.
Aber der Portier, der das Wort gehört hatte, stieß die von der Antwort betäubte Élise mit letzter Kraft zur Tür hinaus und schob den Riegel vor.
Und Antoine erinnerte sich bis ans Lebensende an den Ausdruck unendlichen Erstaunens auf Élises Gesicht, in dem sich schon die Lampen des Vorraums spiegelten.
Alles passierte blitzschnell, es war noch nicht zu spät, es zu richten, aber der Direktor lachte schon und zerrte Antoine die Treppe hoch.
Erst am Tisch begriff Antoine, dass es jetzt völlig unmöglich war, dem Freund zu sagen, dass das Mädchen, das man gerade vor seinen Augen aus dem Restaurant geworfen hatte, seine Braut war.
Niemand würde glauben, dass ein Mann, der so mit seiner Begleiterin umsprang, sie auch nur ein bisschen ernst nahm.
Folglich würde niemand ihr Respekt zollen. Und Élise selbst würde nach solch einem Scherz kaum noch herkommen…
Die Gläser waren im Nu gefüllt, und beim Anstoßen des ersten stellte er sich plötzlich Élise in den Perlenketten und dem abgetragenen Fuchs vor, allein auf der dunklen Straße, schutzlos, nichts verstehend, aber noch etwas erwartend…
Er schluckte den Wodka, hob den Vorhang und schaute hinaus. Da war niemand mehr.
„Nichts, zu Hause rufe ich sie sofort an und erkläre alles; sie muss es verstehen, sie kommt immer leicht aus dummen Missverständnissen raus…“
Aber er kam nicht nach Hause.
Morgens wachte Antoine in einem fremden Zimmer auf, und neben ihm auf dem ungemachten Bett schnarchte eine unbekannte Frau nach Fusel.
Antoines Kopf schmerzte so sehr, dass er keinen klaren Gedanken fassen konnte.
Irgendwie schaffte er es ins Bad, hielt den Kopf unter eiskaltes Wasser, und da dämmerte ihm vage etwas.
Das Restaurant hatte schon geschlossen, aber sie tranken weiter, die Kellnerinnen setzten sich auf ihre Schöße, er kniff diese Rothaarige da ständig in die Brüste.
Dann zerrte sie ihn in den benachbarten leeren, dunklen Saal, warf unterwegs Stühle um, schloss endlich die Tür, zog schamlos ihre Unterhose aus, ließ sich ins Sessel fallen, zog Antoine vor sich auf die Knie, spreizte sich widerlich und drückte mit klammen Pfoten seinen Kopf zu einer schleimigen, haarigen Quelle üblen Gestanks; es roch nach fauler Hering, und Antoine erkannte, das war der Geruch einer ungewaschenen weiblichen Scham.
Um das nur nicht zu riechen, riss er sich hoch, aber Hose und Unterhose fielen runter, nicht ohne Hilfe ihrer geschickten Hände, er stürzte auf die Frau, die ihn mit den Beinen umklammerte – und es begann ein ekliger, schmutziger, lüsterner Albtraum.
Danach tranken sie wieder, die Kellnerinnen quietschten und hoben die Röcke, und Antoine hatte noch eine schwache Erinnerung, wie man ihn kopfvoran in ein Auto stopfte, und er trat nach jemandem…
Nun diese Kammer… Élise!
Er sprang auf, wie gestochen, wischte sich nicht mal den Kopf ab, schnappte sich seine Sachen irgendwie und stürmte aus der Wohnung, ließ die Tür sperrangelweit offen…
In der ersten Telefonzelle, die ihm über den Weg lief, wählte Antoine, die Ziffern verwechselnd, ihre Nummer.
Die Münze fiel, Élises ruhige, melodische „Ja“ ertönte.
Antoine drückte den Hebel runter.
Was konnte er ihr jetzt erklären? Wie sich entschuldigen? Wo er gewesen war?
Und plötzlich spürte Antoine einen leichten Stich in seinem Stolz: Seiner Meinung nach hätte Élise mit verweinter Stimme in den Hörer schreien müssen:
— Antoine! Antoine! Bist du das?! Antworte doch!
Aber sie sprach so, als nähme sie in der Vorzimmer ihres Chefs ab.
Antoine knöpfte sich langsam zu, steckte die nassen Haare unter die Mütze und ging die Straße entlang, entschlossen, jedes Wort gründlich zu überdenken und abzuwägen, vielleicht sogar aufzuschreiben, und dann erst anzurufen.
Etwas absolut Glaubwürdiges erfinden. Ohne Eile.
Antoine ging zu Fuß nach Hause, da standen in seinem Kühlschrank sechs Flaschen Bier – er wollte sich ein bisschen erholen, bemerkte aber nicht, wie er alles austrank.
Und da kam von selbst die Entscheidung, die Erklärung mit der Braut auf morgen zu verschieben.
Antoine hielt es nicht mal im Traum für möglich, dass sein dummer Streich von gestern nicht gut ausgehen könnte.
Hauptsache, etwas Einfaches erfinden.
Am nächsten Tag war Notfall. Um acht Uhr morgens rief der Chef an und sagte, morgen käme eine schwedische Delegation ins Institut, und man müsse eilig Materialien für den Empfang vorbereiten.
Die Materialien wurden bis zur Schließung des Instituts gemacht, als Antoine endlich heimkam, wollte er nur schlafen. Nichts weiter.
Morgens kamen die Schweden ins Institut. Der Tag war wieder hin.
Der Gedanke an Élise, an ihre lebendige, warme Schönheit, steckte in Antoine wie ein Splitter.
Minutenlang wollte er die Delegation stehen lassen und zum Telefon rennen, Buße tun und in den Hörer weinen – nur um ihre ferne Stimme zu hören, nur um diesen Albtraum schnell in die Vergangenheit zu schicken…
Zu spüren, dass sie ihm wie zuvor gehörte, und der böse Traum vergeben und vergessen war…
Abends schaffte er es zum Telefon. Aber der leidenschaftliche Impuls vom Tag war weg.
Sie hatten volle drei Tage ohne einander gelebt, und noch kürzlich schien es fast unmöglich, täglich zehn Stunden getrennt zu sein, die beide bei der Arbeit verbrachten.
Also konnte man bis morgen warten. Der Morgen ist klüger als der Abend.
Und morgens wurde das Anrufen noch unmöglicher.
Und da tauchte ein winziger, aber bissiger Gedanke auf – eine Hyäne: „Vielleicht gar nicht anrufen?“
Antoine stieß ihn mit Ekel von sich, begann ihn aber unbemerkt, vor sich selbst im Verborgenen, zu durchdenken, im Hirn rasten schnell verschiedene Varianten…
Aber am meisten beschäftigte seinen Verstand wie immer die Arbeit.
Auf dem Heimweg holte Antoine wie immer mechanisch die Zeitungen aus dem Briefkasten, und plötzlich fiel ein kleines, schweres Päckchen heraus, das er neugierig aufhob und auswickelte.
Auf der Handfläche, umspannt vom schwarzen Wildlederhandschuh, wie in einer Schauvitrine, schimmerten die Perlenketten.
Die Zweifel waren vorbei.
Antoine steckte den Perlenschmuck lässig in die Tasche, das Zeitungsbündel unter den Arm und hüpfte erleichtert und fröhlich zwei Stufen auf einmal in den vierten Stock.


