Endlich lag alles hinter ihr: der puritanische Vater, die strenge, fromme Mutter, der reizbare, ewig betrunkene ältere Bruder.
Und diese endlosen, schmerzhaft vertrauten Felder, die vom Herbstregen aufgeweicht waren, die zerfurchten Schotterwege, die tristen grauen Farmen mit ihren kläglich muhenden Kühen.
Nur der Eichenwald am Flussufer, der vor vielen Jahrhunderten als heilig gegolten hatte, und der mächtige Stammbulle Toro – unbeholfen, geil, als wäre er aus einem einzigen Felsblock gemeißelt – blieben in Giulias Bewusstsein Symbole urtümlicher Schönheit.
Jetzt, im Waggon des Diesels, der sie in Richtung der großen Stadt trug, dachte Giulia aus irgendeinem Grund an die Metropole wie an einen gewaltigen, wilden Bullen, der zerquetschen, zertrampeln konnte und gerade deswegen vielleicht besonders herrlich und anziehend war.
Man nahm an, sie fahre zum Studieren. Schon einige Freundinnen, darunter die engste – Sofia – hatten sich in der Stadt niedergelassen.
Hauptsächlich durch ihre unermüdlichen Bitten und Bemühungen hatten Giulias sturköpfige Eltern schließlich nachgegeben.
Mit jeder Stunde kam Giulia ihrem ersehnten Ziel näher. Sie hatte sich am Fenster eingerichtet und musterte mit fröhlicher Neugier die wenigen Passagiere.
Sie spürte zu diesen baldigen Städtern ein warmes, verwandtes Gefühl.
An der nächsten kleinen Haltestelle stiegen drei modisch gekleidete, sportliche Kerle lautstark in den Waggon. Sie scannten mit frechen Blicken den Raum ab und steuerten direkt auf Giulia zu.
—Hallo, Kleine, lange nicht gesehen!
Verkündete einer laut und ließ sich genau gegenüber nieder.
—Und du bist hübscher geworden!
Bemerkte ein anderer, tätschelte die verdutzte junge Frau lässig an der Wange.
—Direkt reif fürs Titelbild eines Männermagazins!
Bevor Giulia sich fassen konnte, quetschte sich der Dritte aus der Bande neben sie und drückte etwas Spitzes gegen ihre Seite, flüsterte ihr ins Ohr:
—Nur ein Pieps – und aus.
Überwältigt nickte Giulia gehorsam, wagte nicht, sich umzudrehen, traute sich kaum zu atmen.
Das Ganze kam ihr vor wie ein Traum, umso mehr, als der sympathische Typ gegenüber ihr freundlich zulächelte – ganz wie der Held aus einem Hollywood-Actionfilm.
Immer noch strahlend grinsend, schob der Filmheld mit flinker Bewegung ihren Rock hoch, enthüllte hellgelbe Spitzenhöschen, durch deren dünnen Stoff ziemlich klar ein dunkler Flaum hindurchschimmerte.
Ein paar Sekunden starrten alle schweigend auf das Bild.
Dann hakte der zweite Kerl mit dem Finger unter den Gummi und riss so heftig, dass er platzte, mit einem Knall wie der Peitschenhieb eines Hirten.
Die Höschen fielen herab, wie Segel einer Jacht, die plötzlich in eine Flaute geriet.
Giulia quietschte leise auf und bemerkte, dass aus dem Abteil schräg gegenüber ein alter Mann in abgetragener Jacke zu ihnen herübersah.
Sie presste krampfhaft die Knie zusammen, doch starke Hände der Kerle spreizten sie bis zum Anschlag auseinander.
Der Alte starrte unverwandt, reckte lüstern den Hals.
Giulia erkannte entsetzt, dass ihr intimster Bereich nun offen dalag wie auf dem Präsentierteller.
„Nein, der hilft nicht“, schoss es ihr durch den Kopf. „Genießt selbst den Anblick“.
Gleich darauf spürte sie kräftige Finger, die sich rücksichtslos in die zarten Härchen zwischen ihren Beinen gruben.
„Werden sie mich vergewaltigen? Noch dazu vor dem Alten?“ dachte Giulia verblüfft.
„Passiert so was wirklich im Leben?!“
Doch sobald sie eine unvorsichtige Bewegung machte, stieß das spitze Ding schmerzhaft in ihre Seite, erinnerte an die gnadenlose Wirklichkeit.
Hätte Giulia den Kopf gewandt, hätte sie gesehen, dass es nur ein steifer Zeigefinger war, aber sie war zu verängstigt.
Sie seufzte nur leise, ließ den Kerl neben sich erst gemächlich abtasten, dann ihre Brüste aus dem BH holen.
In dem Moment gesellte sich zum Alten noch eine Zuschauerin – ein Mädchen in Giulias Alter, modisch und teuer angezogen, eindeutig aus der Stadt.
Wie der Greis ergötzte sie sich unverhohlen am Geschehen, zumal Giulias Hilflosigkeit von außen eher wie Schamlosigkeit wirkte.
Die weit gespreizten, kräftigen, gleichmäßig gebräunten Beine boten ein prächtiges Schauspiel.
—Na los, mach’s dir!
Forderte der Kerl, sich zu ihrem Ohr neigend.
—Wie denn?
Flüsterte Giulia kaum hörbar.
—Ach, du Landei!
Schwärmte der gegenüber.
—So, so!
Zwei Finger tauchten ohne Umschweife in die samtige Höhle ein.
Giulia schrie leise auf und bog sich durch, traute sich aber nicht, die Schenkel zusammenzupressen.
Die Finger glitten tiefer, steigerten das Tempo.
—Alter, willst du auch mal?
Wandte sich der Zweite an den Greis.
Der schüttelte erschrocken den Kopf und drehte sich weg.
—Nee, Alter, das geht so nicht!
Grinste der Kerl frech.
—Willst du nicht selbst, dann zahl für die Show. Und Sie, Fräulein!
Er zog seine Jockeymütze vom Kopf und streckte sie spöttisch zu den Zuschauern hin, mit übertriebenem Gehabe.
Giulia sah, wie sie hastig zerknüllte Scheine in die Mütze warfen.
„Gott, was tun die da!“, vor Scham und Demütigung stiegen Giulia Tränen in die Augen.
Ähnlich hatte sie sich vor einem Jahr gefühlt, als der Stallknecht Matteo sie fast mit Gewalt genommen hatte.
Er hatte sich von hinten auf sie gestürzt, während sie den Kühen Silage gab – ganz wie Toro.
Dann hatte er sie auf den schmutzigen Boden des Stalls geworfen und unter sich begraben.
Sie hatte sich unter ihm gewunden, mit dem Rock fast bis unters Kinn hochgeschoben.
Und er konnte einfach nicht richtig eindringen, weil er stockbesoffen war.
Herrje, sie hätte sich ihm auch so hingegeben, denn der raue, spöttische Matteo gefiel ihr.
Aber er dachte natürlich nicht im Traum an Werben oder Flirten.
Als er endlich durchbrach, spürte sie gleichzeitig Schmerz und Erleichterung, dann – mit jedem Stoß wachsend – Lust.
Aber da polterten die Stallfrauen herein – derbe, einfache Weiber, zerrten Matteo lachend weg.
Und hänselten Giulia danach lange als „Matteos Braut“, was den endgültigen Anstoß zum Weggehen gab.
So war ihre erste Erfahrung gewesen, und nun das hier – diese demütigende Vorstellung vor Zuschauern.
Das gerötete, freche Gesicht des Cowboys gegenüber, der selbstvergessen mit den Fingern hantierte.
Und die süße Pein, die knapp unter dem Nabel entstand, in Wellen abwärts floss.
Giulia bog sich noch stärker durch und stöhnte.
Die Kerle waren längst ausgestiegen. Nachdem sie ihre Brüste in den BH gestopft hatte, schluchzend, verheddert in den herabbaumelnden Höschen, ging Giulia in den Vorraum.
Begleitet vom verächtlichen Blick des modischen Mädchens, brachte sie sich einigermaßen in Ordnung, wechselte in einen anderen Waggon.
Am Hauptbahnhof in der Stadt wartete schon Sofia. An ihre Brust warf sich Giulia – rot, zerzaust, erschüttert von dem Erlebten.
—Was ist los?
Wunderte sich Sofia und löste das verweinte Gesicht von ihrer Schulter.
—Sie… sie haben mich vergewaltigt!
—Wie? Wann?
—Gerade eben, im Zug… Mit dem Finger!
Zu Giulias Erstaunen brach die Freundin in Gelächter aus, fasste sich dann, schlug die Hand vor den Mund:
—Entschuldige, ich so. Ist einfach zu ungewöhnlich! Wie ist das passiert?
Nachdem sie den detaillierten Bericht gehört hatte, bemerkte Sofia kühl:
—Sei froh: Kein Schwangerwerden, keine Ansteckung… Aber war’s wenigstens angenehm?
Plötzlich begriff Giulia, dass das Ereignis, das sie so erschüttert hatte, der Freundin nur als amüsantes Reiseabenteuer erschien, dazu noch mit einem Hauch von Würze.
Der halbleere Trolleybus rollte entlang eines Parks, und Sofia kam immer wieder auf die intimsten Details dieses, wie sie es nannte, „lustigen Vergewaltigungs“ zurück.
Sie sog jedes Wort der Freundin gierig auf, und ihre Augen glänzten erregt dabei.
„Arme Kühe“, schoss es Giulia durch den Kopf, als sie zum dritten oder vierten Mal das Abenteuer im Zug haarklein schilderte.
„Bestimmt fühlen sie Ähnliches, wenn der brüllende, geile Toro sie vor dem Rest der Herde unter sich begräbt!“
Seltsam, dieser Gedanke, der offene, wiederholte Erzählung und die schmatzende Sofia weckten in ihr selbst Erregung.
Und sie sah das Geschehene nicht mehr als Katastrophe, sondern als etwas, das ihre bevorstehende erwachsene Stadtleben ankündigte.


