Der Tag war brütend heiß, selbst für Ende Juni. Lukas war durchgeschwitzt bis auf die Haut. Er wischte sich mit den Fingern übers Gesicht und spürte, dass es gar kein Schweiß war, der ihm auf der Stirn perlte, nahe den Wurzeln der glatt zurückgekämmten und im Nacken zusammengebundenen Haare, sondern geschmolzenes Fett, öliger Glanz, als hätte er sich dick mit Vaseline eingerieben.
Verärgert zog er aus der Tasche seiner Jeans ein zerknittertes Taschentuch und wischte die Finger daran ab. Noch vor Kurzem war Lukas ein krankhaft fetter, unbeholfener junger Mann gewesen. Doch in den letzten zwei Jahren hatte er stark abgenommen, sich in die Länge gezogen und ähnelte nun eher einem Rausschmeißer in einer Bierkneipe als einem Literaturlehrer an einer Mittelschule.
Er rollte das Motorrad in den Bretterschuppen, holte aus der Reisetasche eine große Zweiliter-Plastikflasche, halb gefüllt mit gelber, schaumiger Flüssigkeit, die wie Pisse aussah. Er schraubte den Deckel ab und saugte gierig am breiten Hals. Er schluckte laut, ohne zu bemerken, wie ein klebriger Faden aus dem Mundwinkel sickerte und über die Wange zum Hals rann.
Das Getränk war lauwarm, fast heiß. Lukas rülpste eine zuckrige Süße hoch, spuckte dicken Speichel in den Staub und stopfte die Flasche, nun noch ein Viertel leerer, angewidert zurück in die Tasche. Er wischte sich mit dem Handrücken über Mund und Wange, trat wieder hinaus in die pralle Sonne und starrte zum Himmel. Er dachte, wenn das so weiterginge, würde ihn der Hitzschlag treffen.
Er schwamm ohnehin in seinem eigenen Saft, wie ein Lachs in der Dose. Kurze Schweißbäche rannen den Rücken hinab, die Jeans klebten an den Schenkeln, und auf der Brust, unter den Achseln, zeichneten sich dunkle Flecken auf dem Leinenhemd ab. Ab und zu juckte es am ganzen Körper, als beißten ihn Wanzen, und der Juckreiz an den Eiern quälte ihn unerträglich.
Nicht nur, dass die Hitze sie weichgekocht hatte, wahrscheinlich schon hart, nein, er hatte sie auch noch gequetscht, auf der Fahrt aus der Stadt in dieses verfluchte Dorf, auf dem Motorrad – die Hoden eingeklemmt, ohne es zu merken, bis er abstieg und das Blut wieder floss. Im ersten Moment heulte er vor plötzlichem Schmerz auf, und jetzt brannte die gequetschte Hautfalte, juckte so sehr, dass Gehen zur Qual wurde.
Fast sofort trat all das getrunkene Wasser aus, und die Rinnsale unter der Kleidung flossen reichlicher. Lukas starrte sehnsüchtig auf die dunkle, gedrungene Sauna, die direkt am Wasser des großen Dorfteichs stand. Dann zweifelnd auf die lodernde Sonne und mit noch mehr Zweifel auf das hohe, mannshohe Trockengras auf dem Nachbargrundstück.
Echtes stehendes Heu, das bei der kleinsten Funke aufflammen würde. Die Sauna mitten am Tag anheizen, in solcher Glut – reiner Selbstmord. Stell dir die stickige Hitze vor (wie in einem Heizraum), allein der Gedanke ließ den Körper schwitzen.
Aber als er auf seine Armbanduhr blickte (die Haut unter dem schwarzen Riemen gerötet und gereizt, der Riemen selbst glänzend vor Feuchtigkeit, als schwitze er nicht schlechter als sein Träger), verflogen alle Zweifel. Es war schon halb zwei, Sophie mit ihrer Mutter würde mit dem Sechs-Uhr-Bus kommen: Genau Zeit genug, um ein paar Kessel zu erhitzen und die Sauna ziehen zu lassen.
Mit Glück schaffte er es noch, sich abzuduschen, bevor sie eintrafen – nein, nicht richtig zu dampfen oder gründlich zu waschen, nur abspülen, den beißenden Schweiß mit lauwarmem Wasser verdünnen, in Erwartung seiner rechtmäßigen Reihe nach den Frauen. Zögern wollte er nicht.
Sophie würde wieder jammern, sie verstehe nicht, wie man so lange rumtrödeln und so unbeholfen sein könne. Und die Schwiegermutter, mit gespitzten Lippen, würde eisig sagen, sie habe nichts anderes von ihm erwartet. Er lebte erst zwei Jahre mit Sophie zusammen, doch es fühlte sich an wie zwanzig.
Sie hatten gleich nach den Abschlussprüfungen geheiratet, und ihre Beziehung vor und nach diesem Wendepunkt in seinem Leben unterschied sich so stark wie die sorglose Studentenfreiheit von der zermürbenden, abstumpfenden Arbeit in der Schule. Noch immer vor Schmerz in den Hoden grimassierend, ging Lukas über den schmalen Pfad, der die beiden Grundstücke trennte, und starrte angewidert auf die mickrigen, gelblichen Kartoffelsträucher mit ihren gekräuselten Blättern.
Bei der Sauna angelangt, tastete er unter der gesprungenen Schwelle nach dem Schlüssel, schloss auf und hängte ihn an einen Nagel im Brettervorraum. Der Block war aus Fichtenstämmen gezimmert, voller Ritzen, ausgedörrt, außen grau, innen dunkelgelb, fast orange. Das winzige, niedrige, staubige Fensterchen im Vorraum ließ wenig Licht ein und gar keine direkten Sonnenstrahlen.
Zuerst, um den Schornstein freizumachen, zündete Lukas im Ofen ein paar Espenklötze an, die er unter dem Bretterdach hervorgezogen hatte. Als sie durchgebrannt waren, stopfte er den Ofen mit Birkenstücken voll und pumpte mit der Handpumpe kaltes Wasser in den dreieimerigen Gusseisenkessel (die Kolode, nach Dal).
Als alles bereit war, taumelte er hustend und tränend vor Rauch hinaus und eilte zum Schuppen, wo er sofort die Plastikflasche aus der Tasche fischte und sie gierig bis auf den Grund leerte, was ihm quälenden Schluckauf einbrachte. In den nächsten eineinhalb Stunden warf er mehrmals Holz nach, wechselte das Wasser im Kessel und ging schließlich, völlig erschöpft, ins Haus, um sich auf dem Sofa auszustrecken.
Um halb sechs war die Sauna geheizt und schön durchgewärmt. Entlang der Wände standen mehrere Wannen mit kochendem Wasser, in einer davon, unter einem runden Deckel, dampften vorbereitete Besen: duftender Birkenbesen, weicher Lindenbesen, schwerer Tannenbesen. In der großen Wanne zum Kopfabspülen trieben Brennnesselbüschel.
Bis Sophie mit der Schwiegermutter kam, blieben mindestens vierzig Minuten, genug nicht nur zum Abspülen, sondern zum richtigen Waschen. Im Vorraum stehend, zog Lukas die mechanische Uhr vom Handgelenk und legte sie auf ein Regal, riss sich das Hemd vom Leib, streifte die Jeans ab, die weiten Unterhosen, warf alles auf die Bank und musterte sich kritisch von oben bis unten im hellen Licht, das durch die offene Tür fiel.
Die Haut auf Brust und Bauch war weiß und glatt, ohne ein Härchen, nur vom Nabel zum Schambein zog sich ein Streifen dünner Haare. Am Schambein waren sie dichter, steifer, der Penis hing trübselig daraus hervor, wie eine Judennase. Lukas grub die Finger in die Haare und begann, die verklebte Haut mit Wut zu kratzen.
Das war nicht nur Wut, sondern wütende Wonne. Er bemerkte nicht sofort, dass sein Penis verdächtig zu zucken begann, und als er es merkte, war es zu spät: Er konnte nicht mehr aufhören und ging mit noch größerer Heftigkeit ans Werk.
Nun kratzte er nicht nur die Haut am Schambein und unter den Hoden, sondern kniff und drehte gnadenlos die Vorhaut, ohne die Zügel zu schonen, bis Schmerz und Lust zu einem untrennbaren Ganzen verschmolzen. Und dann spie er drei trübe-weiße, schleimige Ströme aus, die als schwere Tropfen auf den Bretterboden fielen.
Er masturbierte zum ersten Mal seit der Heirat. Fast sofort wich die Erleichterung einem leichten Anflug von Niedergeschlagenheit. Es war nur ein schwaches Abbild jener grausamen Anfälle, die ihn vor Jahren fast täglich heimgesucht hatten.
Jetzt war es keine richtige Depression, sondern starkes, erträgliches Ärgernis gegen alles und jeden, ohne klaren Grund. Er verrieb die weißen Schleimklumpen mit dem großen Zeh des rechten Fußes auf dem Boden, stieß die Tür zur Dampfkammer auf – heißer Luftstoß umhüllte ihn – und stürzte sich mit einem unnatürlich hohen, weibischen Ächzen, die Hinterbacken schüttelnd, in diesen höllischen Paradies, das man russische Sauna nennt.
Drin in der feuchten, allseits umhüllenden Schwüle (wie eine Wattewolke), zog Lukas zuerst die schwarze Gummiband von seinem Zopf und schüttelte den Kopf, ließ die Haare über die Schultern fallen. Das unangenehme Gefühl, als zöge jemand ständig an seinen Haaren, verschwand, das Blut floss nicht mehr so stark zum Kopf, und seltsamerweise brachte das eine unglaubliche Leichtigkeit in den Gedanken, als hätten sich seine quälenden Probleme von allein gelöst.
Lukas erinnerte sich an diesen lustigen Stummfilm, in dem Charlie Chaplin versehentlich auf eine glühende Kaminplatte setzt und meint, Liebesfieber zu haben. Er mischte kochendes Wasser in der Schüssel, goss sich heiß über, wusch Schweiß und Dreck ab, und, wohlig ermattet, kletterte er auf die brennenden Bretter der Liege.
Nun konnte er daliegen, ausruhen, ein paar Minuten dösen. Er wusste natürlich, dass Dösen in einer glühend heißen Sauna nicht ganz gesund war, aber sündigerweise konnte er sich dieses Vergnügen nicht versagen. Deshalb wusch er sich lieber nach allen anderen: Die Hitze reichte noch, und niemand drängte zur Eile; man konnte auf der Liege faulenzen, solange die Seele wollte.
Lukas drehte sich auf die linke Seite, Gesicht zur Wand, zog die Beine zum Bauch, stemmte die Knie gegen die Balkenwand (sein Penis rutschte hinten zwischen den geschlossenen Schenkeln hervor und berührte mit der Spitze das heiße Brett), schloss die Augen und begann, langsam an Angenehmes zu denken.
Die angenehmsten Gedanken galten dem Artikel, den er für die jährliche philologische Sammlung des Instituts schrieb. Der Text musste nächste Woche abgegeben werden, er war fast fertig und hatte allen Grund, nicht zu hetzen – Zeit genug.
In dieser kurzen Arbeit berührte er Fragen aus mehreren verwandten Disziplinen: Linguistik, Folkloristik, Ethnografie. Es ging um niedere Wesen der ostslawischen Mythologie, speziell um die zahlreichen Hausgeister: Chure, Kikimoren, Domovoi, Banniki.
Genau diese Banniki, die nach drei Ehepaaren zum Waschen kommen und denen man auf der Bank einen zerfetzten Besen, einen schmutzigen Seifenrest und eine Schüssel abgestandenen Wassers lässt. Und wehe, sie werden zornig: Sie schleudern glühende Steine von der Ofenbank, spritzen mit Siedewasser, oder sie reißen dir die Gedärme heraus oder ziehen dir bei lebendigem Leib die Haut ab.
Besser, freundlich mit ihnen bleiben und rechtzeitig ein schwarzes Huhn opfern. Lange hab ich kein schwarzes Huhn geopfert, so fünfundzwanzig Jahre, dachte Lukas, vielleicht nimmt der Bannik mir das übel. Aber selbst dieser amüsante Gedanke floss träge durch seine Hirnwindungen, verlangsamt, wie durch Schlummer.
Das Herz pochte mühsam in der Brust. Blut rauschte in den Ohren. Nebel im Kopf – heiß, dicht, bewusstseinsraubend.
Dann berührte jemand sacht mit Fingern seinen herabhängenden Penis. Diese Berührung drang mühsam durch den Schleier der schweren Benommenheit, der noch seinen Verstand umhüllte – und weckte alte, verborgene Erinnerungen.
Es schien Lukas, als taste Sophie mit kühlen Fingern nach ihm. Schlaf und Wachsein vermischten sich. Vage erinnerte er sich, auf der heißen Liege in der glühenden Sauna zu ruhen, dass Sophie jeden Moment mit dem Sechs-Uhr-Bus kommen sollte.
Doch seltsamerweise war diese Sophie in seinem umnebelten Bewusstsein nicht die Sophie der letzten zwei Jahre, sondern die alte Sophie, wie vor der Heirat. Diese zwei Jahre fielen aus seiner Erinnerung. An die Schwiegermutter dachte er gar nicht, als hätte er sie nie gekannt.
Und diese alte Sophie (mit dem Sechs-Uhr-Bus gekommen), betrat die geheizte Sauna, sah Lukas in offener Nacktheit daliegen, konnte der Versuchung nicht widerstehen, schlich sich von hinten an und berührte spielerisch seinen Penis mit kühlen Fingern. So wie kleine Kinder schlafende Spielkameraden an den Fersen kitzeln oder mit einer Feder aus dem Kissen am Nasenloch.
—Nicht, Kleines, murmelte Lukas lächelnd, unternahm jedoch keinen Versuch, ihre Hand zu stoppen, die nun nicht mehr nur mit Fingern über seinen Penis strich, sondern ihn fest im Ring umschloss und die faltige Haut entschieden auf und ab bewegte, mal über die Eichel zog, mal in die andere Richtung bis zum schmerzhaften Spannen des Bändchens.
Lukas wollte gar nicht, dass sie aufhörte, er lächelte selig durch den Schlaf, sein Penis wurde schwer, zuckte nervös, als wollte er aus den angenehmen Fesseln entkommen, doch die Finger drückten nur fester zu, fast schmerzhaft, als spürten sie seine heimlichen Wünsche und gäben ihnen nach.
Lukas eilte nicht zum Höhepunkt, er wollte das Vergnügen dehnen, und das war nicht nur berechnende Geilheit, sondern leidenschaftliches, wenn auch unbewusstes Verlangen, jene glückliche Zeit wiederzubeleben, als bei ihm und Sophie alles erst begann, sie festzuhalten, zu verlängern, zur alten Sophie zurückzukehren, die einfach so von hinten kommen und tun konnte, was sie jetzt tat.
Und plötzlich, ohne die energische Handbewegung zu unterbrechen, stieß sie ihm einen Stock (oder einen Zweig vom Besen?) in den After und begann, ihn zu drehen, tiefer in den Darm zu schieben. Lukas zuckte zusammen: Das war neu und gar nicht wie Sophie, weder die alte noch die jetzige; so etwas hatte sie nie getan, es wäre ihr nie in den Sinn gekommen.
Zuerst kitzelte es nur, war lustig, doch als das Ende des Stocks, der schon im Bauch oder gar in der Brust wirbelte, fast ans Herz stieß (wahrscheinlich fühlt Sophie das Gleiche, wenn ich zu unvorsichtig in sie eindringe), jaulte Lukas vor Schmerz auf und öffnete verwundert die Augen.
Nun war er endgültig wach. Direkt vor seinem Gesicht, nahe der Balkenwand mit heraushängendem Werg, lag ein gekochter Käfer auf dem Rücken, die krummen Beine hochgereckt.
—He, was machst du da, Kleines?, fragte er verblüfft, hob schwer den Kopf von den Brettern (als läge ein glühender Stein darin) und stützte sich auf den Ellbogen, um Sophie anzusehen.
Dabei drehte er sich leicht vom Bauch auf den Rücken, streifte mit dem rechten Knie etwas Hartes, Hölzernes, Fremdes. Zuerst sah er nichts. In der Sauna war es dämmrig, bunte Kreise tanzten vor den Augen, aber das sah er klar: Der Raum zwischen Liege und ferner Wand war leer.
Vielleicht hatte Sophie geahnt, dass er sich umdrehen würde, und sich geduckt, unter die Liege versteckt, um ihn zu narren? Lächerlicher Gedanke, aber dennoch leicht zu prüfen. Er wollte schon darunter schauen, da dämmerte es ihm.
Herrgott! Erst jetzt begriff er, dass jemand noch immer fest seinen Penis umklammert hielt, obwohl keine erregenden Bewegungen mehr machte, als lauerte er ab, wie das enden würde! Schweißbedeckt versuchte Lukas, sich auf der Liege aufzusetzen, doch es gelang nicht – etwas hinderte ihn, etwas, das tief in ihm steckte (nun ragte es steif in seiner Brust, hart, gerade, erschwerte das Atmen).
Und er konnte nur die Knie weit spreizen, sich hinten auf die Hände stützen und zwischen den Beinen auf die Liege blicken, zwischen seinem Hintern und der Ofenwand. Auf der Liege, direkt vor ihm, in Reichweite, saß ein winziger, runzeliger Alter mit zotteligem Haarkranz um den Kopf.
(Bannik! – keuchte Lukas.) Er war nackt wie Lukas, saß mit gespreizten, knorrigen Knien auf dünnen, sehnigen Beinen, die in riesigen Füßen endeten – jeder mit abstehendem Großzeh, auf dem ein brauner, verhornter Nagel prangte.
Unter dem runden, schüsselartigen Bauch mit dem umgestülpten Nabel breitete sich über die Bretter ein runzeliger Altersschwanz von beachtlicher Größe aus (gut, dass er nicht DIESEN Stock in meinen Arsch gerammt hat). Mit der rechten Hand hielt der Alte Lukas’ aufgeschwollenen, luftschiffartigen Penis fest, und die linke Hand verschwand irgendwo in Lukas’ Schritt.
Einen Moment starrten sie einander fassungslos an. In Lukas’ Kopf wirbelte noch Sophies Bild, und er konnte den Gedanken nicht abschütteln, dass sie es gewesen war, die ihn von hinten am Penis berührt hatte.
Und er verstand nicht, wohin sie verschwunden war und woher dieser widerliche runzelige Alte kam (oder wie sie sich in diesen widerlichen runzeligen Alten verwandelt haben konnte – falls es von Anfang an sie gewesen war?). Einen Alten, der gar nicht existieren sollte.
Lukas’ Penis zuckte noch erregt in den Fingern des Banniks, und aus heiterem Himmel erinnerte er sich an sein erstes Mal mit einer Frau, seine lächerlichen Ängste, aus Panik alles zu verwechseln und den Harnkanal zu benutzen – einfach in ihre Scheide zu pissen.
Plötzlich, bei diesem Gedanken, begann Lukas, der noch immer in unbequemer Haltung saß, auf den ausgestreckten Armen gestützt, zu lachen, so sehr, dass der Fettpolster auf seiner Brust wabbelte, und etwas Fremdes, das unter seinem Herzen steckte, sandte Schmerzwellen durch den Körper.
Er hörte auf zu lachen und blickte den Alten ängstlich an. Der Alte musterte ihn listig mit kleinen, glänzenden Äuglein, die linke Hand verschwand in Lukas’ Schritt. HERRGOTT! – dachte Lukas – DER IRRE HAT SEINE DRECKIGEN PFOTEN IN MEINEN ARSCH GESTECKT UND WICKELT MEINE DÄRME DARUM.
Und da hielt seine Blase nicht mehr stand, all das getrunkene Wasser, das nicht als Schweiß ausgetreten war, strömte durch den erschlafften Penis heraus. Erst als alles bis zum letzten Tropfen entleert war, brüllte Lukas auf.
Vor Grauen außer sich, begann er mit den Beinen um sich zu schlagen, was immer er traf, dann, ohne aufzuhören zu brüllen, sprang er von der Liege und krachte polternd zu Boden. Er schlug mit Knien und Kinn gleichzeitig auf die Bretter, spürte den Schmerz nicht einmal.
Hinter ihm ertönte lautes, trockenes Lachen, wie das Knattern einer Holzratsche. Ohne Zeit zu vergeuden, aufzustehen, krabbelte Lukas auf allen Vieren zum Ausgang, rammte die Tür mit dem Kopf und taumelte in den Vorraum.
Durch die offene Vorraumtür lugte die Abendsonne. Lukas blickte unter sich und sah unter dem seltsam eingefallenen (als wäre er leer) Bauch seine blassen Schenkel, besudelt mit etwas Rotem, das von oben herabfloss.
Hinter dem baumelnden Penis zwischen den Schenkeln lag auf dem Boden etwas Unerklärliches, graugelb, wie ein dicker Gummischlauch, aber nicht glatt, sondern faltenreich wie eine Ziehharmonika. Und DAS quoll aus seinem After mit einem Geräusch, wie wenn man rohes Fleisch auf die Pfanne klatscht.
Plötzlich schnellte dieser fallende Schlauch, der in dicken Ringen wie eine Boa zu Boden ging, hoch und verschwand aus seinem Blickfeld, und hinten ertönte wieder das trockene, knatternde Lachen, in dem nichts Menschliches war.
Über die Schulter blickend, sah Lukas, dass der Bannik noch auf der Liege saß, die Beine mit inward gedrehten Füßen herabhängend, doch nun waren beide Hände sichtbar, und auf der linken war das Ende dieses Schlauchs aufgewickelt, der nicht mehr als Haufen zwischen Lukas’ Knien lag, sondern straff in der Luft hing wie ein Seil: Er zog sich durch die ganze Sauna, vorbei an der offenen Tür, durch den gesamten Vorraum und verschwand in Lukas’ After.
HERRGOTT! DAS SIND JA MEINE EIGENEN DÄRME, dachte Lukas mit Erstaunen und ungewöhnlicher Ruhe. – DIESE BESTIE HAT MIR MEINE EIGENEN DÄRME DURCH DEN AFTER HERAUSGERISSEN, UND ICH HABE ES NICHT EINMAL BEMERKT. ICH HABE KEINEN SCHMERZ GESPÜRT. ALLERDINGS IST DAS SO, WENN DER SCHMERZ ZU STARK IST.
Und erst als er diesen Gedanken zu Ende gedacht hatte, spürte er Übelkeit. Doch die unverdauten Speisereste erbrechen konnte er nicht mehr, denn im nächsten Moment schoss sein Magen, die enge Afteröffnung zerreißend, hinter den Därmen heraus – Lukas schnappte krampfhaft nach Luft.
Seine Augen quollen aus den Höhlen, rollten unter die oberen Lider, und, den Bretterboden des Vorraums mit Strömen aus ihm quellenden Blutes überflutend, fiel Lukas röchelnd auf die Seite – und rührte sich nicht mehr.
Auf seinem Gesicht erstarrte eine seltsame Grimasse, ähnlich einem fröhlichen, ja freudigen Lächeln: Weit aufgerissene Augen und Mund, der zwei Zahnreihen entblößte – nur reglos, erstarrt, wie auf einem Foto. Der Bannik war verschwunden.
Die mechanische Uhr tickte ungerührt auf dem Eckregal im Vorraum und zeigte Anfang sieben. Eine Viertelstunde später ertönen im Hof zwei Frauenstimmen:
—Na, und wo ist dein Holder? Sieht so aus, als hätte er gar nicht daran gedacht, die Sauna anzuheizen.
—Woher soll ich das wissen, Mama, warum fragst du mich?
—DU hast ihn geheiratet, Kindchen, nicht ich.
—Ach, Mama, hör auf. Drückt wahrscheinlich den Diwan im Haus. Heiß, keine Kraft mehr.
—Bist du sicher, dass er überhaupt hergekommen ist? Das wär ja was. Obwohl von diesem Chaoten kann man alles erwarten.
Sophie, eine schöne, starke junge Frau, antwortet nichts darauf. Unterwegs streift sie ihr leichtes Baumwollkleid ab, bleibt in weißen Hausunterhosen und einem kurzen Top, die keinesfalls für fremde Blicke gedacht sind (aber wer soll hier schon gucken? – ringsum Ödland, ein verkommenes Dörfchen), und geht zum Haus.
Doch bevor sie die Veranda betritt, bemerkt sie das Motorrad im Schuppen.
—Nein, er ist hier, Ma, ruft sie laut.
—Wahrscheinlich in der Sauna am Werkeln. Ich schau nach.
Sie wirft das Kleid auf die Bank in der Veranda, durchquert (wie Lukas Stunden zuvor) das Kartoffelfeld und nähert sich der Sauna. Schon von Weitem spürt sie, dass etwas nicht stimmt.
Die Tür zum Vorraum steht weit offen, und auf dem Boden liegt etwas Riesiges, Weißes. Sie kann nicht begreifen, was das ist. Genauer, sie weigert sich zu begreifen, was das ist.
Weigert sich zu sehen. Ihre Pupillen weiten sich unnatürlich vor Entsetzen, sie presst unwillkürlich die Faust an den Mund, und doch bricht aus ihrer Kehle ein heiseres, wölfisches, unmenschliches Heulen.
Und der weiße Stoff der leicht herabhängenden Unterhose auf dem schönen Po verdunkelt sich, und an der Innenseite des rechten Beins, wohin nicht ein Mann lüstern geschaut hat, rinnt ein dünnes gelbes Rinnsal Urin hinab.


